/ 22.06.2013
Hans Kloft (Hrsg.)
Friedenspolitik und Friedensforschung. Die Friedensnobelpreisträger aus Deutschland
Berlin: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH 2011; 154 S.; 24,80 €; ISBN 978-3-8305-1955-3Anlässlich des 150. Geburtstages des Friedensnobelpreisträgers Ludwig Quidde im Jahr 2011 analysieren Historiker die friedenspolitische Bedeutung der vier deutschen Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann, Ludwig Quidde, Carl von Ossietzky und Willy Brandt. Die Tatsache, dass Gustav Stresemann im Jahr 1926 zusammen mit dem französischen Ministerpräsidenten Aristide Briand der Preis zuerkannt wurde, wertet Jost Dülffer als einen Akt multilateraler Versöhnung. Allerdings habe Stresemanns Verdienst weniger in einem singulären friedenspolitisch bedeutsamen Akt als vielmehr in einem langfristigen Vertrauensaufbau in der Phase nach dem Ersten Weltkrieg bestanden: „Stresemann war der deutsche Politiker mit Regierungsverantwortung, der am nachdrücklichsten die Lehren aus dem Weltkrieg gezogen hatte und alle seine Kraft auf den versöhnlichen, wenn auch von nationalen Interessen geleiteten Ausgleich und damit zunächst deutschen Aufstieg gesetzt hatte“ (27). Dieser Ausgleich ermöglichte eine zunächst sehr vorsichtige Kooperation mit Frankreich, die schließlich in die innenpolitisch wichtige Befreiung des Rheinlandes mündete. Stresemann leistete damit die Vorarbeit für die später unter Kanzler Konrad Adenauer weitergeführte deutsche Westintegration. Diese war unter Zeitgenossen ähnlich umstritten wie die spätere Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt. Bernd Rother stellt fest, Brandt habe den Beginn seiner Ostpolitik auf den 13. August 1963 datiert – den Tag der Errichtung der Berliner Mauer. Der Mauerbau habe Brandt die Wirkungslosigkeit der bisherigen politischen Konzepte vor Augen geführt und ihn nach neuen Formen politischer Einflussnahme suchen lassen. Brandt habe gehofft, so Rother, mit einer verstärkten Kommunikation zwischen Ost und West die Chance auf eine friedliche Transformation des Ostblocks zu erhöhen. Damit habe Brandt langfristig den Weg für das Neue Denken Michael Gorbatschows geebnet. Das Nobelkomitee habe damals allerdings noch nichts von den Spätfolgen seiner Politik geahnt. Es verwies in seiner Begründung für die Preisverleihung auf Brandts Bemühungen um das Zustandekommen des Viermächteabkommens und die Unterzeichnung der Moskauer und Warschauer Verträge.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.3 | 2.31 | 1.3 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Hans Kloft (Hrsg.): Friedenspolitik und Friedensforschung. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34260-friedenspolitik-und-friedensforschung_41118, veröffentlicht am 01.12.2011.
Buch-Nr.: 41118
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