/ 20.06.2013
Giuliana Sgrena
Friendly Fire. Als Geisel zwischen den Fronten. Aus dem Italienischen von Brigitte Lindecke und Julia Sailer
Berlin: Ullstein 2005; 205 S.; kart., 16,- €; ISBN 978-3-550-07878-1Als die italienische Journalistin Sgrena im Februar 2005 im Rahmen von Recherchearbeiten in Falludscha Flüchtlinge interviewte, wurde sie verschleppt und 28 Tage als Geisel festgehalten. Sgrena schildert nicht nur die dramatischen Ereignisse der Entführung, sondern auch ihre Erlebnisse und Gefühle während der Gefangenschaft. Sie ist sich nicht sicher, wer sie entführte, wahrscheinlich habe es sich um eine Gruppe namens „Mudschaheddin ohne Grenzen“ gehandelt. Ihre Geiselnehmer haben sie anfänglich für eine Spionin und nicht für eine kritische Journalistin gehalten. „[D]u musst Acht geben, denn die Amerikaner wollen nicht, dass du lebendig nach Italien kommst“ (57), so einer der Entführer vor der Befreiung Sgrenas, die sie minutiös schildert. Diese endete in einem Desaster. Während der Fahrt zum Bagdader Flughafen geriet ihr Fahrzeug unter amerikanischen Beschuss. Sgrena wurde verletzt und der Geheimdienstagent Nicola Calipari starb noch vor Ort. Daher werde sie sich nie über ihre Befreiung freuen können, schreibt sie in ihren Schlussbemerkungen. Neben den persönlichen Erlebnissen geht die Journalistin auf die Ursachen der Feindseligkeit gegenüber den Besatzern ein. Sie nennt vor allem die unerträglichen Lebensbedingungen der Bevölkerung, die Verschmutzung der Umwelt infolge der Bombenangriffe sowie den Mangel an Energie und Wasser. Sgrena beschreibt nicht nur die oft verzweifelte Lage der Frauen, sondern auch, wie das Land dabei sei, sich zu reislamisieren. Zur Sprache bringt sie die Zersplitterung des Iraks; die Wahl im Januar 2005 sei ein „weiterer Schritt auf den Abgrund der Teilung“ (148) zu gewesen. Kritisch bewertet die Autorin die irakische US-Politik, die sie auf militärischer Ebene im Wesentlichen für gescheitert hält. Ihre Entführung habe gezeigt, „dass diejenigen, die im Irak die Waffengewalt haben, keine Zeugen wollen“ (203) – dieses Diktat annehmen zu müssen, betrachtet sie als Niederlage.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 4.41 | 2.63 | 2.25 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Giuliana Sgrena: Friendly Fire. Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25929-friendly-fire_30151, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30151
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