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/ 18.06.2013
Markus Krzoska

Für ein Polen an Oder und Ostsee. Zygmunt Wojciechowski (1900-1955) als Historiker und Publizist

Osnabrück: fibre 2003 (Einzelveröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts Warschau 8); 482 S.; 35,- €; ISBN 3-929759-49-7
Geschichtswiss. Diss. Berlin; Gutachter: K. Zernack, J. Piskorski. - Wojciechowski, seit 1925 Professor für Verfassungsgeschichte und polnisches Recht in Posen und 1945 Gründer des polnischen Westinstituts, verkörpere wie kaum ein anderer „die wechselvollen Zeitläufe Polens vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Stalinismus mit all ihren Wirrungen" (13). Krzoska verknüpft die Stationen im Leben des Mediävisten und Rechtshistorikers mit dessen Weltbild und Werdegang als ein Wissenschaftler, der sich der Politikberatung verpflichtet sah: „seine gesamte wissenschaftliche Tätigkeit läßt sich unter das Motto der Sicherung der polnischen Nation stellen" (408 f.). Wojciechowski habe zu den Westforschern gehört, die sich mit den „verhängnisvollen Einflüssen Preußens" (193) auf die polnische Geschichte und der Unvereinbarkeit der deutschen und polnischen Ansprüche auf den gleichen geografischen Raum beschäftigten. Bereits in den Dreißigerjahren habe Wojciechowski wie kaum ein anderer Wissenschaftler die öffentliche Meinung geprägt. Die Beschäftigung mit der deutschen Minderheit habe dabei für ihn, der gleichzeitig ein Antisemit gewesen sei, im Vordergrund gestanden. Wojciechowski sei nach dem deutschen Überfall erst inhaftiert worden, später habe er sich dem Widerstand angeschlossen und am Warschauer Aufstand teilgenommen. Mit dessen Niederschlagung habe sich Wojciechowski von der Exilregierung in London gelöst (die Breslau und Stettin nicht einforderte) und den Kommunisten seine Hilfe angeboten - wie sie forderte er eine Westgrenze an Oder und Lausitzer Neiße. Wojciechowski habe bei den neuen Machthabern seine Idee eines Westinstituts durchsetzen können, das bereits im Februar 1945 in Posen gegründet wurde. Aufgabe des Instituts sei gewesen, die neuen Westgrenzen historisch zu rechtfertigen, deutsche Kriegsverbrechen aufzudecken sowie Grundlagen für einen Umgang mit Deutschland zu schaffen - kontrolliert und zensiert von der Partei- und Staatsführung.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.622.12.235.2 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Markus Krzoska: Für ein Polen an Oder und Ostsee. Osnabrück: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20213-fuer-ein-polen-an-oder-und-ostsee_23552, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23552 Rezension drucken
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