Skip to main content
/ 21.06.2013
Eberhard Günter Schulz

Gedanken über Deutschland in Europa 1967-2007

Hildesheim/Zürich/New York: Georg Olms Verlag 2008; 226 S.; 24,80 €; ISBN 978-3-487-13620-2
In dem Band finden sich Texte des Autors aus 40 Jahren zum Thema Deutschland und Europa, aber insbesondere zu Deutschlands Verhältnis zu seinen Nachbarn im Osten. So war der Verfasser Vorsitzender des Kulturwerks Schlesien und ist Präsident der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat. In den Texten von Schulz, dessen eigene Familiengeschichte von der Vertreibung und Flucht aus Schlesien erzählt, spiegelt sich somit auch der Wandel in dessen zum Teil wehmütigen Ansichten über politische Möglichkeiten und Bewertungen wider. Was die Vertreibung aus den ehemals deutschen Gebieten im Osten anbelangt, ist für Schulz klar: „Eine moralische Rechtfertigung konnte es dafür nicht geben“ (9). Er führt weiter aus: „[I]ch konnte nicht begreifen, wie Kernlande deutscher Kulturentwicklung über viele Jahrhunderte einfach dem Staatsgebiet eines Nachbarvolkes zugeschlagen werden konnten“ (10). Schulz hoffte noch 1956 auf eine Rückkehr zumindest eines Teils der Bevölkerung und bemerkt zur Sicht, dass die Ostpolitik Willy Brandts eine Vorbedingung der Wiedervereinigung gewesen sei: „Dies ist jedoch durchaus nicht die einzige mögliche Darstellung des Wegs zur Überwindung der deutschen Teilung“ (17). Vielmehr sei die Politik Adenauers, der NATO-Doppelbeschluss unter den Regierungen Schmidt und Kohl sowie des Letzteren beherztes Zugreifen in historischer Stunde zu bedenken. Schulz gelangt zu der Pointe: „So kann man durchaus auch der Auffassung sein, daß es schließlich trotz, und nicht wegen der Ostverträge der Regierung Brandt doch noch zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten kommen konnte“ (18). Die Grenzen wollte der Autor als es dann soweit war aus „humanitären Gründen“ nicht völlig revidieren, aber: „Dennoch hatte ich 1990 noch geglaubt, es könnte wenigstens über kleine Korrekturen zugunsten Deutschlands verhandelt werden“ (20). So bilden die Texte einen interessanten Fundus für Ansichten zu den ehemaligen Ostgebieten und wie dieser Hintergrund die Bewertung politischer Fragen beeinflusst.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.314.212.61 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Eberhard Günter Schulz: Gedanken über Deutschland in Europa 1967-2007 Hildesheim/Zürich/New York: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29599-gedanken-ueber-deutschland-in-europa-1967-2007_35042, veröffentlicht am 03.12.2008. Buch-Nr.: 35042 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA