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/ 20.06.2013
Judith Butler

Gefährdetes Leben. Politische Essays. Aus dem Englischen von Karin Wördemann

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2005 (edition suhrkamp 2393); 179 S.; 10,- €; ISBN 3-518-12393-9
Der 11. September 2001 hat die Vereinigten Staaten tief verstört; in der Folge sind in ihrer politischen Kultur Momente hervorgetreten, die in europäischer Wahrnehmung stark irritieren. Zu diesen Momenten zählt die in Berkeley lehrende Philosophin Butler jene Reaktionsweisen, die „die Mechanismen der Überwachung ausbauten, Grundrechte aufhoben und Formen der ausdrücklichen und stillschweigenden Zensur entwickelten“ (7). In den fünf Aufsätzen des Bandes setzt sie sich mit diesen Phänomenen an Beispielen eines sich ausbreitenden Antiintellektualismus und zunehmender Restriktionen öffentlicher Debatten, der amerikanischen Haftpraxis in Guantanamo Bay und des politischen und privaten Umgangs mit Gewalt auseinander. Die im Anschlag des 11. Septembers offenbar gewordene Verwundbarkeit interpretiert Butler als Ausdruck einer grundlegenden und unaufhebbaren „Abhängigkeit von namenlosen anderen“ (7). Nur wenn man die Chance wahrnimmt, über derartige Verletzungen und die Mechanismen ihrer Verteilung ethisch verantwortlich nachzudenken, werde deutlich, dass „die derzeitigen Formen nationaler Souveränität Versuche darstellen, eine Manipulierbarkeit und Verwundbarkeit zu überwinden, die unabänderliche Dimensionen der menschlichen Abhängigkeit und Sozialität sind“ (10).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.425.442.232.64 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Judith Butler: Gefährdetes Leben. Frankfurt a. M.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23181-gefaehrdetes-leben_26540, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 26540 Rezension drucken
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