/ 21.06.2013
Irene A. Diekmann / Elke-Vera Kotowski (Hrsg.)
Geliebter Feind - Gehasster Freund. Antisemitismus und Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart. Festschrift zum 65. Geburtstag von Julius H. Schoeps
Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg 2009 (Neue Beiträge zur Geistesgeschichte 7); 752 S.; hardc., 37185 €; ISBN 978-3-86650-334-2Philosemitismus ist ein vielschichtiger, schwer zu fassender Begriff, der in der politisch-öffentlichen Diskussion bisher kaum Verwendung fand. In einer deskriptiven Vermittlung bezeichnet er zunächst die Liebe zu den Semiten im Gegensatz zu Antisemitismus und Antijudaismus. Nicht nur Klaus Faber und Lars Rensmann weisen in diesem Band auf differente Funktionalisierung und Inhaltszuschreibung an den Begriff hin, dessen Wert als politik- und sozialwissenschaftliche Kategorie diskutabel sei und weiterer Forschungen bedürfe. Der Sammelband dokumentiert eine Tagung vom Juni 2007, die – aus Anlass des 65. Geburtstages des Historikers Schoeps – in interdisziplinärer Weise dem Gegenstand des Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart gewidmet war. Dabei lässt sich dieses Phänomen nicht isoliert von Antisemitismus betrachten. Die Begriffsanalyse von Wolfram Kinzig gibt die thematische Breite der Beiträge vor: Er zeichnet zunächst in ideengeschichtlicher Perspektive die Geschichte des Begriffs und die Diskussion um eine mögliche Typologisierung nach. Seine Thesen weisen danach auf dessen Historie, welche Gerhard Langer und Pedro Barceló bis in die Antike und frühe römische Kaiserzeit zurückverfolgen. Dass Philosemitismus keine spezifisch deutsche Erscheinung sei, untermauern internationale Ansichten u. a. auf Japan, Amerika und Europa. Breiten Raum nimmt zudem der Philosemitismus im Kontext der Religionsphilosophie beziehungsweise -kritik und der Geschichte des europäischen Aufklärungsprozesses ein. Der Hinweis Kinzigs, Philosemitismus nicht als singuläres Phänomen zu begreifen, führt in die Tiefe der Diskussion nach 1945 und mit literatur- sowie musikwissenschaftlichen Analysen in die fachliche Fülle. In diesem Sinne ist der Band ein Forschungsdesiderat mit explizitem Auftrag an zukünftige Wissenschaftler. Er eignet sich daher nicht für einen schnellen Zugang zum Thema.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 1.3 | 2.23 | 2.61 | 2.63 | 2.35 | 2.311 | 2.313 | 2.64 | 2.68 | 2.22 | 2.5
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Irene A. Diekmann / Elke-Vera Kotowski (Hrsg.): Geliebter Feind - Gehasster Freund. Potsdam: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31261-geliebter-feind---gehasster-freund_37185, veröffentlicht am 13.10.2009.
Buch-Nr.: 37185
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Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
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