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/ 21.06.2013
Peter Steinbach / Johannes Tuchel

Georg Elser. Hrsg. von der Ernst Freiberger-Stiftung

Berlin: be.bra verlag 2008 (be.bra wissenschaft); 270 S.; 32,- €; ISBN 978-3-937233-53-6
„Ich wollte ja auch durch meine Tat ein noch größeres Blutvergießen verhindern.“ (189) Diese Begründung lieferte der schwäbische Schreiner Georg Elser bei seiner Vernehmung am 20. November 1939 für das Bombenattentat auf Adolf Hitler am 8. des Monats im Münchener Bürgerbräukeller. Es missglückte, weil Hitler den Saal, in dem die Feier zum Andenken an den gescheiterten Putsch von 1923 stattfand, unerwartet früh verließ. Elser wurde im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert und am 9. April 1945 in Dachau erschossen. Er hatte nur solange überlebt, „weil ihm nach einem von den Deutschen gewonnenen Krieg ein großer Schauprozess gemacht werden sollte“ (112). Das in Berlin entstandene Protokoll der Vernehmungen Elsers ist im Dokumententeil des Buches abgedruckt, es stellt nach Meinung der beiden Autoren „die wichtigste Quelle“ (13) für die Biografie des Attentäters dar. Die Wissenschaftler Steinbach und Tuchel, sie leiten die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, schildern in leicht verständlicher und dennoch spannungsvoller Weise nicht nur die Lebensstationen Elsers, sondern vor allem dessen Beweggründe für die Tat sowie die Interpretationen des NS-Regimes und die anderer Akteure, etwa die der Exil-SPD. Heute, so die Autoren in ihrer Würdigung der Person, gelte Elser als einer der konsequentesten Gegner der NS-Diktatur. Ernst Freiberger spricht von einem „tapferen Einzelgänger“, der „eine unbequeme Herausforderung an das historische Gewissen in Deutschland“ war. Sein Handeln habe bewiesen, dass „die Legende, nur die gesellschaftlich oder militärisch Mächtigen hätten die Chance zu wirksamem Widerstand gegen das Böse gehabt, haltlos war“ (9). Der Band erscheint anlässlich der Enthüllung einer Georg Elser-Büste im Oktober 2008 auf der Berliner „Straße der Erinnerung“, die am Spree-Ufer – in der Nähe des Bundesinnenministeriums – verläuft. Dort befinden sich bereits Büsten von Albrecht Haushofer, Konrad Zuse, Walter Rathenau, Thomas Mann und Mies van der Rohe. Mit diesen Denkmälern erinnert die Ernst Freiberger-Stiftung an sogenannte deutsche Helden ohne Degen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Peter Steinbach / Johannes Tuchel: Georg Elser. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30546-georg-elser_36268, veröffentlicht am 23.06.2009. Buch-Nr.: 36268 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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