/ 18.06.2013
John Rawls
Gerechtigkeit als Fairneß. Ein Neuentwurf. Hrsg. von Erin Kelly. Aus dem Amerikanischen von Joachim Schulte
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003; 316 S.; geb., 24,90 €; ISBN 3-518-58366-2Die Rezeptionsgeschichte hat das Diktum Nozicks, nach „Eine Theorie der Gerechtigkeit" (1971) könne man politische Philosophie wohl gegen, aber nicht unabhängig von Rawls betreiben, nachdrücklich bestätigt. In Reaktion auf die ebenso breite wie kritische Diskussion der im vertragstheoretischen Rahmen formulierten beiden - auf Grundfreiheiten bzw. Chancengleichheit bezogenen - Prinzipien hat Rawls seine Gerechtigkeitskonzeption stets weiterentwickelt. Ihre jetzt vorliegende Neufassung ist aus Vorlesungen entstanden, die Rawls in den Achtzigerjahren an der Harvard-Universität gehalten hat; allerdings konnte er krankheitsbedingt das Buch nicht abschließen (was vor allem die Teile IV und V betrifft) und der Herausgeber Kelly hat den Text mit nur geringen Modifikationen editiert. Rawls selbst wollte mit der „Gerechtigkeit als Fairneß" - neben der Beseitigung von argumentativen Inkonsistenzen der Erstfassung - die in seinen seit 1974 erschienenen Essays enthaltenen Ideen im Rahmen einer einheitlichen Darstellung seiner Gerechtigkeitskonzeption vorlegen (13). Auch in dieser neuen Fassung bleibt der Stellenwert der beiden Gerechtigkeitsprinzipien - trotz der vorgenommenen Umstrukturierungen - erhalten; allerdings tritt der „egalitäre" Rawls in der Begründung des Differenzprinzips noch stärker hervor. Neu gegenüber der „Theorie" und konkreter als in „Politischer Liberalismus" (1993) ist der methodische Ansatz, der die „Konzeption der Gerechtigkeit als Fairneß [...] jetzt als eine politische Konzeption der Gerechtigkeit präsentiert" (16). Politisch heißt für Rawls nicht nur, das Faktum des (religiösen, philosophischen und moralischen) Pluralismus zu akzeptieren, sondern auch - fast schon diskurstheoretisch - die Idee der öffentlichen Rechtfertigung bzw. des öffentlichen Vernunftgebrauchs zur Begründung einer wohlgeordneten, ein faires System der Kooperation verkörpernden Gesellschaft heranzuziehen.
Inhaltsübersicht: I. Grundideen; II. Gerechtigkeitsprinzipien; III. Die vom Urzustand ausgehende Argumentation; IV. Institutionen einer gerechten Grundstruktur; V. Die Frage der Stabilität.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 5.44
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: John Rawls: Gerechtigkeit als Fairneß. Frankfurt a. M.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18937-gerechtigkeit-als-fairness_21969, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21969
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA