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/ 22.06.2013
Bernd Ladwig

Gerechtigkeitstheorien zur Einführung

Hamburg: Junius 2011 (Zur Einführung 393); 253 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-88506-693-4
Die Frage „Was ist gerecht?“ berührt Aspekte der Rechte jedes Einzelnen, der Anerkennung des anderen, der Verteilung von Chancen und Gütern zur Bekämpfung von Armut, aber auch Komplexe der politischen Beteiligung innerhalb einer Gemeinschaft und ihres Institutionengefüges. Das Nachsinnen über gerechte Verteilung und deren philosophische Begründung verbindet sich heute mit der 1971 formulierten Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls. Ladwig unternimmt in seiner Einführung aber erst im zweiten Teil die Nachzeichnung jener modernen Debatte im Anschluss an Rawls. Zunächst widmet er sich der gedanklichen Herleitung einer moralischen Gleichwertigkeit aller Menschen. Er bereitet darin die auch global mögliche Einigung auf Normen des gemeinsamen Handelns vor. Ladwig betont die Parität menschlicher Ansprüche und Ziele als autonome Vernunftwesen und Rechtsträger im Sinne Kants. Seine Argumentation stützt sich auf eine zentrale These: „Gerechtigkeit ist zuerst eine Sache gerechter Verteilung. Eine gerechte Verteilung ist gleichbedeutend mit recht verstandener Gleichheit.“ (10) Der Autor knüpft an Aristoteles’ Bestimmung, jeder bekomme, was ihm oder ihr zukommt, an. Er begründet zunächst diese theoretische Substanz einer Gleichheit aller Menschen aus ihrem Menschsein heraus. Das systematische Entrollen seines argumentativen Fadens erleichtert den Zugang für Leser, die einen Einstieg in die Gerechtigkeitsdebatte suchen. Eine vereinfachende Flucht aus der Komplexität seines Gegenstandes vollführt Ladwig nicht, er versucht vielmehr die jeweiligen Grundbestimmungen von Rawls beziehungsweise seiner Kritiker und Schüler anschaulich und an Beispielen orientiert zu positionieren. Ladwig selbst spricht sich schließlich im Anschluss an Amartya Sen für den Gedanken einer erweiterten Chancengleichheit im Hinblick auf eine inhaltlich begründete Verteilung von Gütern aus: „Wir können Funktionen und Fähigkeiten qualifizieren, indem wir sie auf Voraussetzungen und Grundmerkmale unseres Gedeihens und unserer Autonomie, als Menschen und als Bürger beziehen.“ (201)
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.15.42 Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Bernd Ladwig: Gerechtigkeitstheorien zur Einführung Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34280-gerechtigkeitstheorien-zur-einfuehrung_41143, veröffentlicht am 10.11.2011. Buch-Nr.: 41143 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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