/ 11.06.2013
Walter Benjamin
Gesammelte Briefe. Band V: 1935-1937. Hrsg. von Christoph Gödde und Henri Lonitz
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1999; 672 S.; Ln., 98,- DM; ISBN 3-518-58276-3"Ich entbehre es etwas von französischen Zeitungen, in denen ich die Politik nun schon seit langem verfolge, abgeschnitten zu sein. Die dänischen sind instruktiv, aber angesichts der Bedeutung, die die spanischen Vorgänge haben, nicht ausreichend. Wir verfolgen außerdem täglich die Rundfunkberichte, die es darüber gibt. Für eine Weile ist Deutschland ferngerückt und Spanien um so gegenwärtiger geworden." (361 f.) So schreibt Benjamin an Bryher während eines Besuchs bei Brecht in Dänemark. Außer den kurzen Aufenthalten in Skovsbostrand sowie gelegentlich im italienischen San Remo ist Benjamin aus finanziellen Gründen kaum beweglich. Gleichwohl ist er sich bereits 1935 voll bewußt, daß ihm das Pariser Exil keinen sicheren Ort mehr für den Fall des Kriegsausbruches bietet. "Die Xenophobie macht hier die größten Fortschritte." (104) Dennoch gelingt es ihm unter eingeschränkten Bedingungen seine Forschungen weiterzuführen. Nach dem "Pariser Passagen" Projekt entsteht die kulturkritische Schrift "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit". Beide finden am New Yorker Institut für Sozialforschung insbesondere bei Horkheimer Anklang, der ihm auch ein relativ stabiles monatliches Auskommen ermöglicht. Mit seinen Kontakten zu den Pariser Intellektuellenkreisen wird Benjamin zum inoffiziellen Repräsentanten des New Yorker Instituts.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Walter Benjamin: Gesammelte Briefe. Frankfurt a. M.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10116-gesammelte-briefe_11962, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11962
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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