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/ 17.06.2013
Edgar Wolfrum

Geschichte als Waffe. Vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2001 (Kleine Reihe V & R 4028); 176 S.; kart., 14,90 €; ISBN 3-525-34028-1
Der Band bietet einen Überblick über mehr als ein Jahrhundert deutscher Geschichte und vor allem über den Umgang mit ihr. Von oben wie von unten, von rechts wie von links ist Geschichte instrumentalisiert worden, um als intellektuelle Munition im Kampf gegen den jeweiligen Gegner eingesetzt zu werden. Das ist gelegentlich unbewusst geschehen, oftmals aber haben sich auch Historiker bewusst in den Dienst solcher Geschichtsmythen gestellt. Angesichts des umfangreichen Stoffes bleiben für jedes Kapitel nur wenige Seiten übrig, und dies führt einerseits zu etwas holzschnittartigen Bewertungen, andererseits zu bemerkenswerten Auslassungen. Der Historikerstreit von 1986 kommt fast gar nicht vor, und die Fischer‑Kontroverse wie die Goldhagen‑Kontroverse werden auf jeweils weniger als einer Seite abgehandelt. Sprachlich wird nicht jeder Leser "Meistererzählung" (62) für eine glückliche Verdeutschung des englischen "master narrative" halten. Inhalt: I. Von Preußens deutscher Sendung zu Deutschlands Weltmission: 1. Der deutsche Nationalmythos; 2. Revolutionsmythos und "Die Ideen von 1914". II. Krieg der Erinnerungen in der Weimarer Republik: 1. Verdrängte Niederlage; 2. Republik, Räte, Reich. III. Pseudogeschichte und Ordnungswahn im "Dritten Reich": 1. Rassistische Geschichtsmystik; 2. Mitkämpfende Historiker. IV. Deutschland im Jahr 1945 ‑ Das Ende der Geschichte? 1. Geschichtsverlust; 2. Historische Meistererzählungen West und Ost. V. Deutsch‑deutscher Kampf um Nation und Revolution bis zum Mauerbau: 1. "Die einige deutsche Republik"; 2. "Einheit und Freiheit". VI. Die Neue Ostpolitik und neue teilstaatliche Geschichtsbilder: 1. Kontroverser Verfassungspatriotismus; 2. Sozialistischer Patriotismus. VII. Zwei Erben einer nationalsozialistischen Vergangenheit: 1. Die "Vergangenheitsbewältigung" im Westen; 2. Verordneter und verinnerlichter Antifaschismus im Osten. VIII. Von der "Geschichtsnation" zum gegenwärtigen Nationalstaat: 1. Die Flucht in die Geschichte; 2. Deutsche Einheit, geteilte Vergangenheit. Die Zukunft der Vergangenheit.
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Rubrizierung: 2.31 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Edgar Wolfrum: Geschichte als Waffe. Göttingen: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15828-geschichte-als-waffe_18066, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18066 Rezension drucken
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