/ 05.06.2013
Ulrike C. Wasmuht
Geschichte der deutschen Friedensforschung. Entwicklung - Selbstverständnis - Politischer Kontext
Münster: agenda Verlag 1998 (agenda Frieden 30); 480 S.; 58,- DM; ISBN 3-89688-029-2Politikwiss. Habilitationsschrift FU Berlin. - Die moderne Friedensforschung, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Reaktion auf die nationalsozialistische Diktatur, den Einsatz der Hiroshima-Bombe und die sich verschärfende Konfrontation zwischen den beiden Militärblöcken entwickelte, bildet das Thema von Wasmuhts chronologisch angelegter Studie. Konsequent hält sie an dem der Arbeit vorangestellten wissenssoziologischen Paradigma fest und zeigt am Beispiel der Friedensforschung auf, "wie Wissenschaft eng verbunden im gesellschaftlich-politischen Raum entsteht und betrieben wird" (9). Zwar habe sich in Deutschland nach 1945 eine Volksbewegung, die sich das Motto "Nie wieder Krieg" auf die Fahnen geschrieben hatte, als Reaktion auf die unmittelbare Kriegserfahrung gebildet, von einer Friedensforschung könne in Deutschland aber erst gegen Ende der 60er Jahre gesprochen werden. Gustav Heinemanns 1970 vorgetragene Forderung: "Wir brauchen eine Friedensforschung" (11) hatte, so Wasmuht, die Konsequenz einer breit angelegten staatlichen Förderung, die sich in der Folgezeit als Friedens- und Konfliktforschung institutionalisierte (Kapitel IV) und sich in den 70er Jahren weiter ausdifferenzieren konnte (Kapitel V). Im Zuge der sicherheitspolitischen Kontroversen und militärstrategischen Fragen des NATO-Doppelbeschlusses und des Wechsels von der sozial-liberalen zur christlich-liberalen Koalition sei jedoch das Interesse an einer "status-quo-kritischen Wissenschaft" (345) gesunken. Allerdings habe eine breit angelegte außerparlamentarische Friedensbewegung die Schließung staatlich finanzierter Einrichtungen teilweise kompensiert, indem sie die Friedensdiskussion nicht nur ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken, sondern auch den friedenswissenschaftlichen Diskurs in Fachdisziplinen wie Medizin, Physik, Biologie, Rechtswissenschaft und Pädagogik hineintragen konnte (322 ff.). Auch wenn die Friedensforschung, deren Grundlagen mit dem Zusammenbruch des Ost-West-Konflikts grundlegend erschüttert wurden, in den 90er Jahren ihr politisches wie wissenschaftstheoretisches Selbstverständnis noch nicht gefunden habe, bleibe, so schließt die Autorin ihre Studie, "Friedensforschung eine dringende Notwendigkeit unserer Zeit" (413).
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.41 | 2.3 | 1.1
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Ulrike C. Wasmuht: Geschichte der deutschen Friedensforschung. Münster: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6832-geschichte-der-deutschen-friedensforschung_9176, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 9176
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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