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/ 21.06.2013
Bundesministerium für Arbeit und Soziales / Bundesarchiv (Hrsg.)

Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland seit 1945. Band 10: 1971-1989. Deutsche Demokratische Republik. Bewegung der Sozialpolitik, Erstarrung und Niedergang. Bandherausgeber: Christoph Boyer, Klaus-Dietmar Henke, Peter Skyba

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008; XII, 921 S.; geb., 169,- €; ISBN 978-3-7890-7331-1
Dieser Band ist dem dritten und letzten Teil „in der ‚Biographie’ der DDR“ (767) gewidmet, dem sogenannten Realsozialismus. Beschrieben werden die sozialpolitischen Stabilisierungsversuche der SED unter Honecker unter den Bedingungen sich wandelnder Verhältnisse. Den Detailanalysen stellen Boyer und Skyba Beiträge voran, in denen ein Überblick über wichtige Entwicklungen gegeben und mit denen ein Eindruck von der Zwangsläufigkeit des Scheiterns des SED-Regimes vermitteln wird. Ein aus den vielfältigen Problemen und Anforderungen herausragendes Beispiel ist, dass die Planwirtschaft nicht in der Lage war, dem „Problem der in der Dritten – mikroelektronischen – industriellen Revolution abnehmenden internationalen Konkurrenzfähigkeit der DDR beizukommen“. Die Wirtschaft der DDR war in der Folge schließlich „außerstande, den Konflikt zwischen strukturell limitierter ökonomischer Leistungsfähigkeit und hochgespannten sozial- und konsumpolitischen Verteilungszielen zu lösen“ (Boyer, 35). Ein auf den ersten Blick vielleicht etwas weniger auffälliger Auflösungsprozess der Diktatur entwickelte sich ebenfalls über die gesamte Phase der Honecker-Ära im Bereich der Kultur. Dies sei weniger im Bereich der Literatur sichtbar gewesen, schreibt Skyba, diese habe sich aus Sicht des Regimes relativ leicht lenken und zensieren lassen. Die Jugend aber sei kulturell und musikalisch nach Westen abgewandert, die FDJ hätte ohne westliche Musik kein Publikum für ihre Tanzveranstaltungen gewinnen können. „In der Kulturpolitik kapitulierte das Regime bei der Generation, die im Herbst 1989 die Masse der Flüchtlinge und Demonstranten stellte, faktisch bereits im Lauf der 1970er-Jahre.“ (32) Diesen Entwicklungen habe das SED-Regime zwar entgegenzuwirken versucht, tatsächlich aber sei es durch eine „nachlassende Integrationsfähigkeit“ (34) gekennzeichnet gewesen. Auch im Schlussbeitrag wird noch einmal ausführlich auf den im realsozialistischen Sinne restaurativen Charakter des Regimes eingegangen, das mit der Sozialpolitik seine Macht zu sichern versuchte.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Bundesministerium für Arbeit und Soziales / Bundesarchiv (Hrsg.): Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland seit 1945. Band 10: 1971-1989. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29947-geschichte-der-sozialpolitik-in-deutschland-seit-1945-band-10-1971-1989_35491, veröffentlicht am 16.12.2008. Buch-Nr.: 35491 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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