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/ 17.06.2013
Annette Vowinckel

Geschichtsbegriff und Historisches Denken bei Hannah Arendt

Köln/Weimar/Wien: Böhlau Verlag 2001; VI, 380 S.; geb., 45,91 €; ISBN 3-412-03401-0
Geschichtswiss. Diss. Essen; Gutachter: J. Rüsen, D. Diner. - Obwohl Arendt sich mehrfach äußerst kritisch der Historiographie gegenüber äußerte, thematisieren die meisten ihrer politischen und philosophischen Schriften ausführlich historische Ereignisse und Entwicklungen. Arendt verstand sich nicht als Historikerin, entwickelte aber auch als politische Denkerin einen ausgeprägten Geschichtsbegriff und einen geschichtsphilosophischen Ansatz, die die Autorin mithilfe von Arendts Gesamtwerk und insbesondere ihres umfangreichen Nachlasses zu rekonstruieren versucht. Im Mittelpunkt steht zum einen Arendts These des Traditionsbruches angesichts der Totalitarismen des 20. Jahrhunderts und damit die Frage, wie man nach dem Holocaust Geschichte schreiben könne. Zum anderen verbindet Arendt mit ihrer Modernitätskritik eine negative Vision eines "Endes der Geschichte", das sich in einer "society of jobholders" (7) ereignet, in der die vollständig vergesellschafteten Menschen sich nur noch verhalten und jede Form des spontanen politischen Handelns und bewussten Gestaltens der gemeinsamen Welt aufgegeben haben. Die verschiedenen Facetten von Arendts Geschichtsdenken bringt die Autorin schließlich auf den gemeinsamen Nenner der "Dekonstruktion der Metaphysik" (340) und stellt ihre "Methode des Perlentauchens und des Geschichtenerzählens" (341) in eine Tradition mit dem Ansatz Walter Benjamins, deren beider Inspiration für die Geschichtswissenschaft Vowinckel größere Aufmerksamkeit wünschen würde. Inhaltsübersicht: Metamorphosen einer Unpolitischen; Von der Tradition zum Traditionsbruch; Das Handeln und seine Nebenprodukte; Denken zwischen Vergangenheit und Zukunft; Eichmann in Jerusalem; Über die Revolution hinaus.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Annette Vowinckel: Geschichtsbegriff und Historisches Denken bei Hannah Arendt Köln/Weimar/Wien: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15988-geschichtsbegriff-und-historisches-denken-bei-hannah-arendt_18300, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18300 Rezension drucken
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