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/ 22.06.2013
Sebastian Scheele

Geschlecht, Gesundheit, Gouvernementalität. Selbstverhältnis und Geschlechterwissen in der Männergesundheitsforschung

Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2010; 139 S.; 16,90 €; ISBN 978-3-89741-305-4
Soziolog. Diplomarbeit FU Berlin; Gutachterin: S. Hark. – In Fragen der Gesundheitsförderung sind Männer eine schwer erreichbare Zielgruppe. Sie zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten zu motivieren und bei ihnen ein neues Bewusstsein über männliche Identität, Gesundheit und Prävention zu schaffen, ist das Ziel vielfältiger Kampagnen und Aktionen im Rahmen der Männergesundheitsförderung. Dabei wird u. a. mit niedrigschwelligen, männertypischen Ansprachen experimentiert, etwa indem „ein ‚Herz-Kreislauf-Training’ den Kraft und Handlungsfähigkeit betonenden Namen ‚Kardiofit – Gesundheitsmanagement für Männer’ bekommt“ (13), schreibt der Autor. Er untersucht die Diskurse und Kampagnen zur Männergesundheitsförderung aus einer gouvernementalitätstheoretischen Perspektive und verknüpft dabei Fragen der Gesundheitssoziologie und der Geschlechterforschung. „An welche Diskurse der Männlichkeit wird angeknüpft, welches Geschlechterwissen wird (re-)produziert? [...] Zum anderen: Welche Selbstverhältnisse werden propagiert? Wodurch zeichnet sich eine gesundheitsfördernde Selbstsorge aus? Und schließlich: Wie verknüpfen sich in der Männergesundheitsförderung Selbstverhältnisse und Geschlechterwissen?“ (13) Scheele zeichnet zunächst die Herausbildung der in den 90er-Jahren begonnenen Männergesundheitspolitik nach, die ihre wesentlichen Impulse durch die Frauengesundheitsbewegung, die Schwulenbewegung und HIV-Prävention sowie durch Gender Mainstreaming erhalten hat. Anschließend skizziert er seinen subjekt- und gouvernementalitätstheoretischen Analyserahmen. In der folgenden Diskursanalyse weist der Autor u. a. auf die Einbindung gesundheitsfördernder Selbstverhältnisse in eine „neoliberale Gouvernementalität“ (94) hin, da ein gesundheitsförderndes Selbstverständnis auf der Ebene der Regierung Kostenersparnisse vermuten lasse. Abschließend stellt Scheele Überlegungen dazu an, wie eine Männergesundheitspolitik aussehen könnte, „die weder in Gouvernementalisierung noch in einer Bestärkung von Männlichkeitsstereotypen aufgehen möchte“ (112).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.362.343 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Sebastian Scheele: Geschlecht, Gesundheit, Gouvernementalität. Königstein/Ts.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32514-geschlecht-gesundheit-gouvernementalitaet_38803, veröffentlicht am 24.08.2010. Buch-Nr.: 38803 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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