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/ 21.06.2013
Rolf Reißig

Gesellschafts-Transformation im 21. Jahrhundert. Ein neues Konzept sozialen Wandels

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 211 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-531-17016-9
Der Autor beschreibt Gesellschaftstransformation als den spezifischen Typ sozialen Wandels im 21. Jahrhundert. Dabei geht er von der historischen Umbruchsituation im Kontext der Jahre 1989/90 aus. Damals wurde die postsozialistische Transformation in den Sozialwissenschaften unter dem Label der nachholenden Modernisierung verhandelt. Jedoch, so führt Reißig weiter aus, sei heute offensichtlich, was damals nur wenige vermuteten: „Nach der Transformation ist vor der Transformation, im Osten wie im Westen und vor allem auf globaler Ebene“ (9). Die Hypothese des Autors lautet, dass nicht nur die modernen westlichen Gesellschaften, sondern „die Weltgesellschaft als Ganzes […] nach Herausbildung der Moderne, des kapitalistischen Marktes und seiner Entwicklung in einer neuen, zweiten großen Ära der Transformation“ (18) angekommen ist. Der Autor sieht dies als Folge der Erosion des Modells der Fordistischen Gesellschaft und der darauf folgenden marktliberalen Transformation mit der Herausbildung einer Markt- und Konkurrenzgesellschaft, die seit 2007/2008 in eine tiefe Krise geraten sei. Reißig kritisiert, dass beispielsweise Ulrich Beck oder Anthony Giddens in ihrer Theorie reflexiver Modernisierung „die aktuellen Probleme vorwiegend aus den Erfolgen der Moderne und nicht aus ihren Krisen“ (25) verstehen. Ein neues Transformationskonzept müsse der Vielfalt sozialer Wandlungsprozesse und deren Verläufen gerecht werden. Hergebrachte Vorstellungen beispielsweise zu den Auslösern sozialen Wandels wie Wandel durch Differenzierung oder durch Konflikte müssten u. a. um die Bedeutung gesellschaftspolitischer Diskurse und Handlungen sowie Lernprozesse kollektiver Akteure ergänzt werden. Die Überlegungen des Autors lassen deutlich erkennen, dass er sein Konzept mit klaren Zielvorstellungen entwickelt. So formuliert er als historische Verordnung und zukünftige Erwartung die Herausbildung „eines neuen sozial-ökologischen und demokratischen Gesellschafts- und Entwicklungsmodells“ (197). Der Autor lässt abschließend offen, ob sich aus seinen Überlegungen eine spezifische Wandlungstheorie ableiten lassen wird.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.25.42 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Rolf Reißig: Gesellschafts-Transformation im 21. Jahrhundert. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31723-gesellschafts-transformation-im-21-jahrhundert_37799, veröffentlicht am 23.02.2010. Buch-Nr.: 37799 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA