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/ 22.06.2013
Jens Hildebrandt

Gewerkschaften im geteilten Deutschland. Die Beziehungen zwischen DGB und FDGB vom Kalten Krieg bis zur Neuen Ostpolitik 1955 bis 1969

St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2010 (Mannheimer Historische Forschungen 31); 723 S.; 68,- €; ISBN 978-3-86110-476-6
Sozialwiss. Diss. Mannheim; Gutachter: K. Schönhoven, E. Jahn. – Der politische Wettbewerb zwischen dem bundesrepublikanischen Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Gemeinsam sei der Gewerkschaftsbewegung in Ost und West gewesen, dass sie unter ungleichen Systembedingungen mit unterschiedlichen Programmen um die gleiche gesellschaftliche Schicht wetteiferten, nämlich die Arbeiterschaft, so Hildebrandt. Seiner Arbeit liegen zwei Hypothesen zugrunde: 1. Solange die beiden deutschen Staaten und ihre Gewerkschaften bestanden, seien sie aufeinander bezogen gewesen, auch wenn ihre Entwicklungen divergierten. Der Autor analysiert das Zusammenspiel von Strukturbedingungen und Akteursbeziehungen und verdeutlicht so den Verlauf der Konfliktintensität und die Kooperationsmöglichkeiten zwischen den beiden Dachverbänden. 2. Im Untersuchungszeitraum habe sich bei den Gewerkschaftsfunktionären in Ost und West vor dem Hintergrund der Erinnerungen an den Nationalsozialismus und der Erfahrungen in der Nachkriegszeit „ein Komplex von Wertvorstellungen und Verhaltensweisen“ im Umgang mit dem jeweils anderen Verband herauskristallisiert, sodass ein charakteristisches „deutsch-deutsches ‚Beziehungsmuster’“ (16) entstanden sei. Vier Zeitphasen identifiziert Hildebrandt: Während die der Jahre zwischen 1955 und 1958 durch die Hoffnung auf Wiedervereinigung geprägt gewesen seien, sei es in der zweiten Phase bis 1961 zu einer verstärkten Blockbildung in Ost und West und einer Regression der deutsch-deutschen Gewerkschaftsbeziehungen gekommen. Der Bau der Mauer habe die deutsch-deutschen Gewerkschaftsbeziehungen in eine dritte Phase überführt, „die für die Gewerkschaften von der Selbstabschottung der DDR sowie der Selbstanerkennung der Bundesrepublik“ (17) in den Jahren von 1961 bis 1964 gekennzeichnet gewesen sei. Nach Jahren des konfrontativen Gegeneinanders seien die Beziehungen zwischen DGB und FDGB zwischen 1965 und 1969 in eine neue Phase eines „entspannungsfreudigen Nebeneinanders“ (17) getreten.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3132.3142.331 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Jens Hildebrandt: Gewerkschaften im geteilten Deutschland. St. Ingbert: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32575-gewerkschaften-im-geteilten-deutschland_38883, veröffentlicht am 19.10.2010. Buch-Nr.: 38883 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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