/ 20.06.2013
Erich Haag
Grenzen der Technik. Der Widerstand gegen das Kraftwerkprojekt Urseren
Zürich: Chronos Verlag 2004 (Interferenzen 10); 269 S.; brosch., 24,80 €; ISBN 3-0340-0694-2Geschichtswiss. Diss. Zürich; Gutachter: D. Gugerli. - Wo liegen die Grenzen des technischen Wandels? Der Autor geht dieser Frage unter zwei besonderen Gesichtspunkten nach: Zum einen war das untersuchte Projekt eines der Superlative, zum anderen hatten die Betroffenen die Gelegenheit, über die Realisierung mitbestimmen zu können. Bei dem Projekt handelt es sich um das Wasserkraftwerk Urseren, das 1920 erstmals vorgeschlagen und dann in den Vierzigerjahren realisiert werden sollte. Es wäre das größte Kraftwerk der Schweiz geworden, technisch machbar und zu finanzieren gewesen, schreibt der Autor. Allerdings hätten die Bewohner dreier Dörfer, insgesamt etwa 2.000 Menschen, umgesiedelt werden müssen. Haag beschreibt das Vorgehen derjenigen, die das Kraftwerk bauen und betreiben wollten sowie das der Bevölkerung, die sich von Anfang an vehement gegen das Projekt zur Wehr setzte - bis hin zum handgreiflichen „Krawall von Andermatt“ (119). Die betroffenen Bewohner nutzten auch ihre direktdemokratischen und kommunalpolitischen Möglichkeiten, angesichts der Proteste verweigerte zudem der zuständige Kanton jedes Gespräch über das Projekt. Mit dieser starken Abwehrfront konfrontiert, sei das Projekt schließlich aufgegeben worden. Insgesamt handelt es sich bei dieser Studie um eine Einzelfallbetrachtung, die nicht auf andere technische Projekte - auch nicht in der Schweiz - übertragen werden kann.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.21 | 2.22 | 2.23 | 2.26
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Erich Haag: Grenzen der Technik. Zürich: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22499-grenzen-der-technik_25672, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25672
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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