/ 06.06.2013
Ulrike Rausch
Grenzüberschreitende Kooperationen. Der kanadisch-US-amerikanische Nordosten und die Oberrheinregion im Vergleich
Opladen: Leske + Budrich 2000 (Politikwissenschaftliche Paperbacks 33); 381 S.; 72,- DM; ISBN 3-8100-2850-9Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der EU ist seit dem Ende der 80er-Jahre zu einem bevorzugten Forschungsfeld geworden. Die Autorin nähert sich diesem Phänomen durch einen systematischen Vergleich zwischen der europäischen Modellregion "Oberrhein" - im deutsch-französisch-schweizerischen Dreiländereck - und den Formen institutionalisierter Kooperation im kanadisch-US-amerikanischen Nordosten. Ausgehend von einer Problematisierung der Begriffe "Region" und "Grenze", legt sie den Schwerpunkt der Untersuchung auf die Institutionalisierung gliedstaatlich-regionaler Zusammenarbeit im Rahmen der Oberrheinkonferenz einerseits und der "Conference of New England Governors and Eastern Canadian Premiers" andererseits; diese stellt "nichts anderes dar als die Rückkehr zu hergebrachten Austauschprozessen, die im Zeitalter der Globalisierung allerdings professionalisiert werden" (37). Aus dem empirisch-qualitativen Vergleich von insgesamt fünf Politikbereichen (Umwelt, Wirtschaft, Tourismus, Telekommunikation und Verkehr) lassen sich zentrale Aussagen über die Merkmale grenzüberschreitender gliedstaatlicher Kooperation treffen. Diese werden anhand der Analyse nicht direkt-vergleichbarer Kooperationsfelder überprüft (nordamerikanische Energiepolitik und europäische Raumordnungspolitik im grenzüberschreitenden Kontext). Auf dieser Grundlage unterscheidet die Autorin zwischen kontextabhängigen und -unabhängigen Merkmalen: Erstere können auf andere Formen grenzüberschreitender Zusammenarbeit übertragen werden, letztere stehen in einem engen Bezug zu der betreffenden Region beziehungsweise dem "jeweiligen kontinentalen Regime" (315) selbst. Neben kontextunabhängigen Faktoren grenzüberschreitender Zusammenarbeit, wie z. B. der Eigeninitiative subnationaler Akteure und regionaler Problemerfassung, misst die Autorin einem kontextabhängigen Merkmal - der europäischen Raumordnungspolitik und ihren Instrumenten (z. B. INTERREG) - eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bei. Es bleibt daher abzuwarten, ob und inwieweit die NAFTA in Zukunft ähnliche äußere Rahmenbedingungen zur Anregung grenzüberschreitender Zusammenarbeit zu schaffen vermag.
Stefan Gänzle (Gä)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.5 | 2.2 | 4.45 | 2.261 | 2.26 | 2.64 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Ulrike Rausch: Grenzüberschreitende Kooperationen. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8750-grenzueberschreitende-kooperationen_15323, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15323
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