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/ 20.06.2013
Wolfgang Bender / Christine Hauskeller / Alexandra Manzei (Hrsg.)

Grenzüberschreitungen/Crossing Borders. Kulturelle, religiöse und politische Differenzen im Kontext der Stammzellenforschung weltweit/Cultural, Religious and Political Differences Concerning Stem Cell Research, A Global Approach

Münster: agenda Verlag 2005 (Darmstädter interdisziplinäre Beiträge 10); 608 S.; 35,- €; ISBN 3-89688-258-9
Es geht in diesem informativen Band um Grenzüberschreitungen in zweierlei Hinsicht: um den internationalen Charakter der Stammzellenforschung und um das Übertreten ethischer Trennlinien durch diese Forschung. In den Länderberichten aus allen Kontinenten werden die jeweiligen kulturellen, religiösen, sozialen und politischen Bedingungen der Stammzellenforschung beschrieben und der internationale Kontext hergestellt. Die Diskussion in Deutschland über die Zulassung einer Forschung an embryonalen Stammzellen sei durch die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen geprägt, schreibt Manzei. Der Schutz der Menschenwürde im Grundgesetz sei mit der Absicht verbunden, menschliches Leben nie wieder zur Disposition zu stellen. Aber schon die Bestimmungen zur Regelung dieser Forschung brechen mit dem Grundsatz der allgemeinen und unteilbaren Menschenwürde – an embryonalen Stammzellen deutscher Frauen darf nicht geforscht werden, wohl aber an aus dem Ausland importierten. In den Beiträgen geht es nicht nur um die Frage, ob und ab wann eine befruchtete Eizelle als schutzwürdiger Mensch zu verstehen ist. Die zentralen ethischen Fragen von Menschenwürde und Gerechtigkeit kreisen auch um bereits geborene Menschen. Die Menschenwürde sehen die Autoren infrage gestellt, wenn vielleicht künftig armen Frauen in Entwicklungsländern Eizellen zum Wohle der Reichen abgekauft werden. Und die Frage der Gerechtigkeit stellt sich vor allem als Ungerechtigkeit dar, wenn es in Entwicklungsländern an sauberem Trinkwasser mangelt, die Kindersterblichkeit hoch ist und Aids grassiert, gleichzeitig aber nur ein kleiner privilegierter Teil der Bevölkerung von den Ergebnissen einer kostspieligen Stammzellenforschung profitieren wird. Diese Gedanken zu Menschenwürde und Gerechtigkeit führt Bender in seinem abschließenden Beitrag nicht auf eine oder mehrere Religionen zurück (deren Aussagen insgesamt widersprüchlich sind), sondern im Sinne einer universellen Ethik auf Kant und Rawls.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.442.2632.612.632.642.652.662.672.682.352.23 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Wolfgang Bender / Christine Hauskeller / Alexandra Manzei (Hrsg.): Grenzüberschreitungen/Crossing Borders. Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24132-grenzueberschreitungencrossing-borders_27799, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27799 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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