/ 22.06.2013
Horst Mewes
Hannah Arendt's Political Humanism
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009 (Hannah Arendt-Studies 5); 226 S.; pb., 37,80 €; ISBN 978-3-631-55374-9Mewes untersucht Hannah Arendts Versuche, die Freiheit des politischen Handels im öffentlichen Raum zu verteidigen und den Begriff des Politischen zu entideologisieren, ohne ihn der Beliebigkeit preiszugeben. Dazu stellt er die ihren Reflexionen zugrunde liegende Dichotomie von Welt und Natur heraus. Der Mensch habe innerhalb der menschengemachten Welt den Drang zu erscheinen und durch sogenannte „acts of greatness“ (25) das eigene Dasein in Freiheit zu transzendieren. Dieses „acts of greatness“ seien politisch und müssten von Prinzipien begleitet werden, um nicht beliebig zu sein. Solche Prinzipien findet Mewes bei Arendts Ausführungen zur Römischen Republik ebenso wie zur amerikanischen Revolution. Er zeigt auf, wie Arendt den politischen Raum über die Dimension des im engeren Sinne Politischen durch die Kategorie des Ästhetischen ausweitet. Das Politische wird somit zur politischen Kultur (174). Die politische Kultur eines Raumes werde durch die Handlung des Einzelnen und die Beurteilung der „Zuschauer“ konstituiert. Mewes legt nachvollziehbar dar, dass die Kriterien, die zur Beurteilung der „greatness“ einer Handlung von den Zuschauern herangezogen werden, bei Arendt prinzipiell offen bleiben. Die Kriterien selbst seien zudem nicht dem Urteil der Zuschauer unterworfen und zeigten somit einen positivistischen Charakter. Auf den Vorwurf eines Elitismus, dem Arendt an diesem Punkt von Zeit zu Zeit ausgesetzt ist, geht Mewes nicht weiter ein. Offen bleibe nach Mewes, welche Art der politischen Gemeinschaft den arendtschen Überlegungen zugrunde liegt. Denn wo das politische Urteil einer Gemeinschaft repräsentativ verbindliche Prinzipien schaffe, benötige das Handeln eines Individuums schon eine Sammlung verbindlicher Prinzipien. Mewes arbeitet schlüssig die arendtschen Versuche heraus, das politische Handeln der gedankenlosen Beliebigkeit zu entreißen und in der freiheitlichen Handlung die eigene Substantation in der Realität zu ermöglichen (32). Ohne eine größere Verortung des arendtschen Denkens in der politischen Philosophe vorzunehmen, ermöglicht Mewes so einen guten Überblick über die humanistischen Grundlagen ihrer Überlegungen.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Horst Mewes: Hannah Arendt's Political Humanism Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32135-hannah-arendts-political-humanism_38331, veröffentlicht am 28.04.2010.
Buch-Nr.: 38331
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Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
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