/ 21.06.2013
Erik Lommatzsch
Hans Globke (1898-1973) Beamter im Dritten Reich und Staatssekretär Adenauers
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009; 445 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-39035-2Geschichtswiss. Diss. Leipzig; Gutachter: U. v. Hehl, T. Schaarschmidt, J. Scholtyseck. – Der Name Hans Globkes ist vor allem aus dessen Zeit als Staatssekretär Konrad Adenauers bekannt. Seinerzeit war Globke wegen seiner Tätigkeit als Ministerialbeamter im Dritten Reich hoch umstritten, denn er hatte den ersten Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen verfasst. Lommatzsch zeichnet den Lebensweg Globkes von dessen Jugend und Tätigkeit im Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern (1929-1945) bis zu seinem Wirken im Bundeskanzleramt (1949-1963) nach. Im Zentrum der Untersuchung steht dabei, die politischen Handlungsspielräume Globkes zu identifizieren. Dass Globke so einfach nicht zu klassifizieren ist, wird bei einer Lektüre der Arbeit schnell deutlich. So war seit 1935 beispielsweise die Personalakte des exponierten Sozialdemokraten, Oberregierungsrates und „Nichtariers“ Fritz Hoch, der nach Erlass des Gesetzes zur Widerherstellung des Berufsbeamtentums seine Stellung hätte verlieren müssen, nicht mehr auffindbar und befand sich stets irgendwo im Geschäftsgang. Für diese Verwaltungsakrobatik war Globke verantwortlich, der die Akte stets in Bewegung hielt. Mit seiner Kommentierung der Nürnberger Gesetze „war für Globke nach eigener Darstellung die Hoffnung verbunden, den rassisch Verfolgten helfen zu können und die Bereiche sowie den Personenkreis, die von den Gesetzen betroffen waren, möglichst eng zu halten“ (69); eine Sicht, die der Autor zumindest nicht für ausgeschlossen hält. In der Nachkriegszeit fungierte Globke seit 1953 als Staatssekretär und „quasi als Geschäftsführer oder gar als Generalsekretär“ der CDU, obwohl „er niemals offiziell ein Parteiamt innehatte“ (339). Seine Domäne lag nach Lommatzsch vor allem im Bereich der Information, die er aufs Geschickteste mit der Personalpolitik verband. Seine langjährigen umfangreichen Kontakte und Netzwerke innerhalb von Beamtenschaft und Bürokratie prädestinierten ihn dazu. Gleichwohl konstatiert der Autor, dass die „graue Eminenz“ Globke oder gar eine „Ära Adenauer-Globke“ ein Mythos sei. Nie habe Globke „im Sinne eines gestaltenden und kreativen politischen Entscheidungsträgers“ (342 f.) gewirkt.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.312 | 2.313 | 2.322 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Erik Lommatzsch: Hans Globke (1898-1973) Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31421-hans-globke-1898-1973_37404, veröffentlicht am 15.12.2009.
Buch-Nr.: 37404
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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