/ 17.06.2013
Lothar Machtan
Hitlers Geheimnis. Das Doppelleben eines Diktators
Berlin: Alexander Fest Verlag 2001; 463 S.; geb., 22,90 €; ISBN 3-8286-0145-6Nachdem in den letzten Jahren viel über das Verhältnis Hitlers zu Frauen zu lesen war, beleuchtet Machtan - Hochschullehrer für Neuere Geschichte in Bremen - nun die Beziehungen des Diktators zu Männern und formuliert die These, dass Hitler homosexuell veranlagt war. Der Autor will keine neue Biographie Hitlers präsentieren, sondern lediglich dazu anregen, dessen Biographie nochmals zu überdenken. Das Buch skizziert einige Lebensabschnitte in Hitlers Leben, "um einen Hitler zu zeigen, der seine Homosexualität nicht völlig leugnen mochte, sie aber auch nicht leben konnte, einen Schauspieler, der fremde Identitäten und Attitüden einsetzte, um das Stigma seines Trieblebens zugleich zu überspielen und für sich zu nutzen, einen Angreifbaren, der sich zeitlebens mit Erpressern herumzuschlagen hatte, einen Leugner, der es unter keinen Umständen zulassen wollte, daß etwas über seine Neigung bekannt wurde. Kurz, einen Mann, der nie war, was er zu sein schien." (8) Machtan weist auf die Problematik hin, in Intimitäten zu forschen und Dinge darzustellen, die kaum darstellbar sind, weshalb er sich für ein "thesenbiographisches Konzept, ein[en] empirisch gestützte[n] Interpretationsvorschlag mit starke[r] biographischer Gewichtung" (8) entschied und ein spannend geschriebenes, mit zahlreichen Fotos angereichertes Buch präsentiert.
Inhalt: Einleitung: Unperson mit Eigenschaften: Ein Dämon, ein "Jahrhundertmonster"?; "Machiavellistischer Tyrann" oder "antibürgerlicher Plebejer"?; Intentionalisten und Funktionalisten; Charismatiker ohne Persönlichkeit?; Hitlers "posthume Biographie"; Abwehrreaktionen; Historisch-kritische Beweisführung; Quellenkritische Enttarnung. 1. Mißglückte Fluchten: Der erste Freund: August Kubizek; Kubizeks Hitler; Die Affäre Eulenburg; Mit Rudolf Häusler in die Schwabinger Boheme; Typische Erfahrungen: Hitlers Anfänge in Wien und München. 2. Kamerad Hitler: Das "Mend-Protokoll"; Wer war Hans Mend?; Kriegskamerad und mehr: Ernst Schmidt; Vom Militär zum Politdienst. 3. Private Stationen einer öffentlichen Karriere: Ernst Röhm; Dietrich Eckart; Ernst Hanfstaengl; Geheimdossiers. 4. Vergebliche Liebesmühe: "Vertrauen bis zum Letzten": Rudolf Heß; Hitler, Emil Maurice und Geli Raubal: ein Dreiecksverhältnis; Hitlers Frauen: Magda Quandt und Leni Riefenstahl; Hitlers "Nebenmann": Julius Schreck; Die Münchener Clique. 5. Der Kampf gegen Röhm: Röhms Rückkehr; Röhm in Bedrängnis; Ein Interpretationsvorschlag; Hitler muß einlenken; Eskalation; Präventivkrieg in eigener Sache; Das Monopol des "Führers". 6. Posthume Enthüllungen: Erich Ebermayer und seine Gewährsmänner: Erich Ebermayer; Geduldete Homosexualität: Zwei Karrieren; Das "Dorado" Bayreuth; Zwischen Konjektur und Fiktionalisierung. 7. Gefährliche Machenschaften: Kurt Lüdecke und Ernst Hanfstaengl: Der Hochstapler Kurt Lüdecke; Hanfstaengl und Hitler: eine gescheiterte Männerliebe, Einer zuviel: Lüdecke und Hanfstaengl buhlen um Hitlers Gunst; Erpresser unter sich; Eine weitere Drohung. Epilog: Entkommen in die Geschichte.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Lothar Machtan: Hitlers Geheimnis. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15973-hitlers-geheimnis_18283, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18283
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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