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/ 20.06.2013
Heiko Heinisch

Hitlers Geiseln. Hegemonialpläne und der Holocaust

Wien: Passagen Verlag 2005; 261 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 3-85165-662-8
Der Antisemitismus sei „ein konstituierendes Moment von Hitlers Handeln“ (201) gewesen. Diese zentrale, nicht austauschbare Rolle der Juden als Feindobjekt in der nationalsozialistischen Weltanschauung und das Ziel, sie zu vernichten, seien im Denken Hitlers direkt mit der Außenpolitik verknüpft gewesen, so die These des Historikers Heinisch. Ausgangspunkt sei die ideologisch motivierte Annahme gewesen, dass in den anderen Ländern Juden die Politik bestimmten und dem zweiten zentralen Ziel der Nationalsozialisten, der Eroberung von Land im Osten, entgegen stünden. Auf der Basis von „Mein Kampf“ sowie anderen Quellen kommt Heinisch zu dem Ergebnis, dass die Vernichtung der Juden von Anfang an beabsichtigt und in ihrer Ausgestaltung das Ergebnis einer langfristigen Politik gewesen sei, die mit den wachsenden Möglichkeiten der Nationalsozialisten an Konturen gewonnen habe. Mit der Machtergreifung 1933 seien die Juden in der NS-Propaganda zum Faustpfand gegen das Ausland erklärt worden. Auch nach Kriegsbeginn sei propagiert worden, dass „drohende oder bereits angewandte Maßnahmen gegen die Juden in Deutschland in einem ursächlichen Zusammenhang mit einem möglichen amerikanischen Kriegseintritt stehen würden“ (180). Diesen habe Hitler, die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg in Erinnerung, vermeiden wollen. Heinisch geht sogar so weit, die Deportation der Juden aus Böhmen und Mähren im September 1941 als letzten Versuch Hitlers zu interpretieren, mit dem Roosevelt gezeigt werden sollte, dass im Falle des amerikanischen Kriegseintritts die Juden die ersten Opfer der deutschen Politik wären. Nachgezeichnet wird dann die weitere Entwicklung bis hin zu den nicht schriftlich fixierten Entscheidungen, alle europäischen Juden zu ermorden. Heinisch liefert insgesamt eine interessante Ergänzung zu den Fragen der ideologisch gesteuerten Politik der Nationalsozialisten. Allein durch die Fokussierung auf den Zusammenhang von Antisemitismus und Außenpolitik sowie auf die NS-Führungsspitze ist der Holocaust aber natürlich nicht hinreichend erklärt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Heiko Heinisch: Hitlers Geiseln. Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23692-hitlers-geiseln_27221, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27221 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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