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/ 19.06.2013
Werner Bräuninger

Hitlers Kontrahenten in der NSDAP. 1921-1945

München: Herbig 2004; 392 S.; 34,90 €; ISBN 3-7766-2367-5
Am Anfang steht die Behauptung eines Forschungsdesiderates, das keines ist. Denn dass der Weg Hitlers an die Spitze der NSDAP und die Behauptung seiner Führungsposition insbesondere in der Weimarer Zeit weder ideologisch noch machtpolitisch unangefochten war, ist lange bekannt. Dass Bräuninger dieser Debatte die eine oder andere Nuance hinzufügen kann, sei konzediert. Warum aber auch offenkundige Nicht-Parteimitglieder zu Hitlers „Kontrahenten in der NSDAP“ zu rechnen sind, bleibt offen. Denn unter dem Begriff subsumiert er sowohl Personen, die eine ideologische Variante des Hitler'schen Nationalsozialismus - keinen Gegenentwurf! - vertraten als auch solche, die ihm aus machtpolitischen Gründen gegenüber standen. Als Ergebnis seiner Studie vermeldet Bräuninger, dass Hitlers Macht „zu einem Großteil aus den permanenten Konflikten zwischen seinen Gefolgsleuten“ (296) resultiert habe. Welche Absicht verfolgt der Autor mit seinen Ambivalenzen? Denn immerhin will Bräuninger uns belehren: Das Irritierende an der Person Hitlers sei, „daß neben sechs Jahren Krieg und Verbrechen eben auch sechs vorangegangene stehen, in welchen er ohne Frage große innen- und außenpolitische Erfolge vorzuweisen hatte“ (297). Bräuninger unterscheidet zwischen den „falschen“ und „verhängnisvollen“ Grundsatzentscheidungen Hitlers einerseits und den von ihm positiver eingeschätzten Positionen seiner „Kontrahenten“ andererseits. Soll der Blick freigelegt werden auf einen Faschismus mit menschlichem Antlitz, der sich hätte durchsetzen können, wenn Hitler den Machtkampf nicht für sich entschieden hätte? Bräuninger enthält sich einer klaren Aussage. Doch stellt er fest, der Sieg der Hitler-Fraktion habe viele „Idealisten“ und „Gutwillige“ aus der Partei vertrieben, um dann von der Beibehaltung des Kapitalismus bis zur „Drangsalierung der deutschen Juden“ (300) die „Fehlentwicklungen“ (299) zu brandmarken. Was dann aber übrig bleibt, was die für Bräuninger „akzeptable“ Version des Nationalsozialismus gewesen wäre, präzisiert er in diesem Buch nicht. In einschlägigen Organen der rechtskonservativen und rechtsradikalen Publizistik wird man aber fündig.
Wilhelm Knelangen (WK)
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Knelangen, Rezension zu: Werner Bräuninger: Hitlers Kontrahenten in der NSDAP. München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21260-hitlers-kontrahenten-in-der-nsdap_24813, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 24813 Rezension drucken
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