/ 05.06.2013
David Clay Large
Hitlers München. Aufstieg und Fall der Hauptstadt der Bewegung. Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber
München: C. H. Beck 1998; 515 S.; geb., 49,80 DM; ISBN 3-406-44195-5"Hitlers Wien" von Brigitte Hamann war ein großer Erfolg, weil es deutlich zu machen verstand, welche geistige und soziale Atmosphäre es war, durch die Hitler während seiner Wiener Jahre wesentliche Prägungen erfuhr. Als Hitler nach München übersiedelte, hatten sich seine entscheidenden Überzeugungen im Kern wohl schon herausgebildet; München konnte daher nicht mehr dieselbe Prägekraft auf ihn ausüben wie Wien. Insofern suggeriert der Titel eine Analogie zum Hamann-Buch, die de facto nicht besteht und vom Autor, einem amerikanischen Historiker mit dem Schwerpunkt deutsche Kultur- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, offenbar auch nicht intendiert ist. Large geht es nicht um Hitlers München, sondern um das München, das aufgrund seiner Vorgeschichte zu einem idealen Nährboden für den Aufstieg des "Führers" werden konnte. Im Mittelpunkt steht die Stadt, und so beginnt Large seine Darstellung auch nicht erst mit der von Hitler selbst erlebten Zeit ab 1913, sondern konzentriert sich - nach einem kurzen Überblick über die Ära von Ludwig I. bis Ludwig II. - zunächst auf die Zeit der Regentschaft des Prinzregenten Luitpold. Daß diese, anders als oft dargestellt, nicht das "goldene Zeitalter" (18) sozialer und politischer Harmonie sowie kultureller Blüte war und in ihrer "Kritik der kosmopolitischen Modernität und des politischen Liberalismus" (19) auch bereits ein proto-faschistisches Element aufwies, erklärt für Large die Anfälligkeit der Stadt für ihren (Ver-)Führer. Den Weg der Stadt verfolgt Large über den Tod des "Führers" hinaus. Auch ihr Umgang mit ihrer eigenen Geschichte ist für den Autor von Interesse, der ihr zum Schluß aber doch noch eine gute Abschlußnote erteilt: Die Lichterketten haben ihn vom Münchner Sinneswandel überzeugt.
Inhaltsübersicht: I. Die deutsche Bohème; II. Der große Schwindel; III. Rotes München; IV. Die Geburtsstätte des Nationalsozialismus; V. Der Marsch zur Feldherrnhalle; VI. "Die dümmste Stadt in Deutschland"; VII. Hauptstadt der Bewegung; VIII. Babylon an der Isar; IX. Götterdämmerung.
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: David Clay Large: Hitlers München. München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7401-hitlers-muenchen_9848, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 9848
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Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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