/ 21.06.2013
Rainer Bucher
Hitlers Theologie
Würzburg: echter 2008; 228 S.; geb., 16,80 €; ISBN 978-3-429-02985-2Theologie sei in dieser Studie wörtlich als „Rede von Gott“ (34) zu verstehen, schreibt Bucher, Professor für Praktische Theologie in Graz. Hitler habe sich immer wieder auf die Begriffe Gott, Vorsehung und Glaube bezogen und es sei davon auszugehen, dass er das, was er dazu sagte und schrieb, „auch persönlich glaubte“ (28). Zudem sei „Hitlers Theologie“ offenkundig handlungsleitend gewesen – anders sei kaum zu erklären, warum Hitler die Ermordung der europäischen Juden fanatisch weiter betreiben ließ, „als auch für ihn unübersehbar war, dass dies Deutschland und ihn selbst vernichten würde und ein anderer Einsatz der letzten Ressourcen, etwa für die Landesverteidigung, eigentlich näher gelegen hätte“ (28). Die weitere Untersuchung knüpft an den Ansatz der Politischen Religionen von Eric Voegelin an, wobei sich Bucher ausdrücklich darauf beschränkt, Hitlers Texte auf ihre theologischen Kategorien hin zu analysieren. So wird festgestellt, dass sich Hitler „als ein berufener, erwählter Erhalter, besser: Restaurator der von Gott ursprünglich geschaffenen und daher gewollten ‚natürlichen’ Schöpfungsordnung“ (94) gesehen habe – mittels dieser Theologie sei der Mord an den Juden motiviert und gerechtfertigt, ihm sogar eine Unbedingtheit verliehen worden. Es falle auf, „dass Hitler keines seiner politischen Ziele so unmittelbar als Verwirklichung eines göttlichen Schöpferwillens begreift wie die geplante Ausrottung des Judentums“ (114). Bucher ordnet den Nationalsozialismus als dunkle Seite der Moderne ein, als ein Versuch, Individualität und Kollektiv, Modernität und Traditionsanschluss, Freiheit und Gebundenheit ans große Alte zusammenzuführen. Er erklärt so die Faszination, die für die (meisten) Deutschen vom Nationalsozialismus ausgegangen sei – weshalb sie bis auf wenige Ausnahmen Hitler in den Untergang gefolgt seien. Besonders zu würdigen an diesem insgesamt lesenswertem Buch ist auch die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der katholischen Kirche, die Bucher ungeschönt in ihrer unseeligen Selbstbezogenheit darstellt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Rainer Bucher: Hitlers Theologie Würzburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28864-hitlers-theologie_34067, veröffentlicht am 23.07.2008.
Buch-Nr.: 34067
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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