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/ 21.06.2013
Christopher Kopper

Hjalmar Schacht. Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier

München/Wien: Carl Hanser Verlag 2006; 432 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-446-40700-8
„Seine Selbsterklärung, er habe sich dem NS-Regime nur aus patriotischen Motiven zur Verfügung gestellt, war ausgesprochen fragwürdig – aber fand in der alten (und neuen) Verwaltungselite und in den führenden Wirtschaftskreisen der Bundesrepublik durchaus Zustimmung.“ (385) Damit ist die Zielrichtung der lesenswerten Biographie über einen der wichtigsten Finanzexperten, wenn nicht den wichtigsten deutschen Wirtschaftsfachmann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schlechthin, umrissen. Kopper zeigt einen Schacht, der ehrgeizig und von sich selbst überzeugt 20 Jahre lang an seinem beruflichen Aufstieg arbeitete, sich unentbehrlich machte und schließlich die Geschicke der deutschen Finanzwelt mitgestaltete. Minister und damit auch allein zuständig für die deutsche Wirtschafts- und Finanzwelt wurde Schacht aber erst in der Regierung Hitlers. Sein Fachwissen war dann aber kurz vor Kriegsbeginn nicht mehr gefragt, seine Schlussfolgerungen passten nicht in die Welt der NS-Größen. Ein tatkräftiger Gegner des Regimes wurde er dadurch allerdings nicht, eher jemand, der Widerstand in Zweitfunktion betrieb. Sein persönliches Scheitern trieb den Finanztechnokraten so in die Nähe von Widerstandskreisen, machte ihn zum Gesprächspartner, aber nicht zum Verschwörer. Sein frühes Ausscheiden aus den Machtzirkeln um Hitler erleichterte nach 1945 den Aufbau der Legende, er habe sich auch als Verteidiger jüdischer Unternehmen gefährdet. Der Freispruch in Nürnberg leistete dieser Legende Vorschub.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.3122.352.3 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Christopher Kopper: Hjalmar Schacht. München/Wien: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27016-hjalmar-schacht_31538, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31538 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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