/ 11.06.2013
Sven-Uwe Schmitz
Homo democraticus. Demokratische Tugenden in der Ideengeschichte
Opladen: Leske + Budrich 2000 (Bürgerschaftliches Engagement und Nonprofit-Sektor 3); 379 S.; kart., 68 DM; ISBN 3-8100-2655-7Bei diesem Buch, in dem ideengeschichtlich untersucht werden soll, wie der Demokrat, der "Homo democraticus" beschaffen sein müsse, überrascht die Auswahl der befragten Autoren. Schmitz erklärt sie durch seine Auswahlkriterien - Ein-, Mehr- und Vielherrschaft - wobei er durch jeweils ein Zusatzkriterium die neun Positionen auf einem Kontinuum anordnen kann. Durch das Zusatzkriterium Machtbegrenzung bei der Einherrschaft ergibt sich dann für Hobbes keine, für Platon eine ideelle Natur und für de Mariana eine institutionelle. Weiter geht es zur Mehrherrschaft mit dem Zusatzkriterium, "wer die wenigen Herrscher auswählt und ob grundsätzlich jeder Bürger einmal zu den wenigen gehören kann" (27). So werden dann Aristoteles, Montesquieu und John Locke, der nunmehr "keinerlei anthropologisch bedingte Einschränkungen für das aktive und passive Wahlrecht vorsieht" (28), angeordnet. Hinsichtlich Vielherrschaft wird zusätzlich gefragt, "welche Herrschaftsfunktionen von den vielen übernommen werden sollen oder können" (29). So kann die Reihe mit Rousseau fortgesetzt werden, bei dem nur die Gesetzgebungsfunktion bei den "Staatsbürgern" liegen solle. Über den Anarchisten Landauer gelangt Schmitz schließlich zu Karl Marx, dessen "Ideal besteht in der Entwicklung solcher Produktionsverhältnisse, in denen jeder nach seinen Fähigkeiten produziert und jeder gemäß seinen Bedürfnissen konsumiert. Unter diesen Umständen könnte keiner einen anderen mehr ökonomisch ausnutzen, und somit verlöre die politische Unterdrückung ihren Sinn" (30). Bei allen Autoren findet er Demokratie mit den Grundnormen Freiheit und Gleichheit verbunden und kann feststellen, dass den fünf Gegnern der Demokratie vier gegenüberstehen, welche die Demokratie befürworten beziehungsweise ihr nicht prinzipiell ablehnend entgegentreten. Je nach seiner Fragestellung gruppiert er immer wieder neu. Bei der Frage nach der Entwicklungsfähigkeit von Institutionen gehören Hobbes aufgrund seiner "Monopolisierung der Entscheidungen", Platon aufgrund der Möglichkeit der Wahrheitsschau, Rousseau aufgrund seines anthropologisch begründeten Geschichtspessimismus und Marx aufgrund seines extremen Materialismus mit optimistischer Zukunftserwartung zu den Skeptikern. Aber zum Beispiel auf der Schiene des Egoismus - Altruismus finden sich Aristoteles und Platon in ihrem anspruchsvollem Bürgerethos wieder vereint. Schmitz schließt mit dem Fazit "keine Demokratie ohne Demokraten" (337).
Inhaltsübersicht: 1. Thomas Hobbes; 2. Platon, 3. Juan de Mariana; 4. Aristoteles; 5. Charles de Montesquieu; 6. John Locke; 7. Jean-Jaques Rousseau; 8. Gustav Landauer; 9. Karl Marx; 10. Der Vergleich.
Heinz-Werner Höffken (Hö)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 5.3 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Sven-Uwe Schmitz: Homo democraticus. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12151-homo-democraticus_14504, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 14504
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
CC-BY-NC-SA