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/ 22.06.2013
Stefan Reichmuth / Jörn Rüsen / Aladdin Sarhan (Hrsg.)

Humanism and Muslim Culture. Historical Heritage and Contemporary Challenges

Göttingen: V&R unipress 2012 (Reflections on (In)Humanity 2); 188 S.; hardc., 37,90 €; ISBN 978-3-89971-937-6
Die Beziehung des Islams zu zentralen normativen philosophischen Konzepten gehört zu den vielfach umstrittenen Punkten innerhalb der wissenschaftlichen und auch politischen Auseinandersetzungen mit dieser Religion – wobei hierbei schon die Unterstellung, dass der Islam eine homogene religiöse Glaubensform darstellt, zu den Problemen dieser Diskurse beiträgt. Im Mittelpunkt des Sammelwerkes steht das Konzept des Humanismus im Zusammenhang mit islamischen Glaubensvorstellungen. Die Herausgeber zeichnen in einem einleitenden Beitrag nach, dass das Konzept des Humanismus einerseits problematisch ist, weil es stark verbunden ist mit der europäischen und nordamerikanischen Tradition und deren Identitätsbildung sowie bestimmter Überlegenheitsvorstellungen im Verhältnis zur orientalischen Welt. Andererseits könne gerade ein interkultureller Humanismus in der heutigen herausfordernden Zeit im Hinblick auf die interkulturelle Auseinandersetzung sowohl in der westlichen als auch in der östlichen Welt ein ethisches Fundament bereitstellen, auf dem ein gemeinsames Miteinander bei Anerkennung aller Differenzen gedeihen könne. Trotz der Umstrittenheit des Humanismusansatzes selbst heben die Herausgeber sieben Elemente hervor, die die Basis für ein interkulturelles Verstehen und interkulturelle Kommunikation abgeben könnten. Dazu gehörten u. a. die Universalität des Konzeptes, ein Anthropozentrismus, die Menschenwürde und die Gleichheit der Menschen hinsichtlich der Würde. Nach diesem einleitenden Artikel gliedert sich das Buch in drei Teile. Im ersten Teil werden humanistische Aspekte im Koran und im islamischen Denken aufgezeigt. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Debatten um humanistische Elemente in der islamischen Kultur und abgerundet wird die Publikation mit einem dritten Teil über das Thema Humanismus und Islam innerhalb einer europäischen Identitätspolitik, wobei hierzu auf die Beispiele Niederlande und Deutschland zurückgegriffen wird. Ohne im Detail darauf eingehen zu können, kommen die Autoren zu teilweise unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der humanistischen Dimension im Islam, weshalb die Diskussion sicherlich für anhaltende wissenschaftliche, aber auch politische Kontroversen sorgen dürfte. Die Beiträge entstammen überwiegend aus Vorträgen einer Konferenz in Alexandria, Ägypten, im April 2009 sowie einer Vortragsreihe über die humanistische Dimension innerhalb der islamischen Kultur.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.235.34 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Stefan Reichmuth / Jörn Rüsen / Aladdin Sarhan (Hrsg.): Humanism and Muslim Culture. Göttingen: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34981-humanism-and-muslim-culture_42078, veröffentlicht am 14.06.2012. Buch-Nr.: 42078 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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