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/ 22.06.2013
Cornelius Huppertz

Humanitäre Hilfsorganisationen. Akteure – Partner – Instrumente

Online-Publikation 2011 (http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2011/6661/pdf/Cornelius_Huppertz_1_Humanitaere_Hilfsoranisationen_Akteure_Partner_Instrumente.pdf); 388 S.
Diss. Stuttgart; Begutachtung: H. Uterwedde, C. Kantner. – Nach Ansicht des Autors werde im Bereich Zivilgesellschaft und Nichtregierungsorganisationen zu wenig empirisch geforscht; er untersucht daher in einer vergleichenden Fallstudie den Teilbereich der Hilfe und Katastrophenforschung. Huppertz fragt insbesondere, „welche Gouvernanzstrukturen […] das Verhältnis zwischen Regierungen einerseits und ‚ihren’ humanitären Hilfsorganisationen andererseits“ (17) bestimmen. Ausgehend von Antonio Gramscis Idee eines erweiterten Staates konstruiert er drei idealtypische Governancestrukturen, mit deren Hilfe er die Beziehung zwischen NGOs und Regierungen abbilden möchte: die Integrationsstruktur (hohe gegenseitige Abhängigkeit zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren), die Opportunitätsstruktur (zweckmäßiges Verhältnis mit beiderseitigem Vorteil) und die Autonomiestruktur (distanziertes, teilweise feindseliges Verhältnis zwischen Staat und NGOs). Da Huppertz allerdings zu Beginn klarstellt, dass er den massiven Zuwachs an staatlichen Geldern für humanitäre Hilfen eher „als Akt selektiver Barmherzigkeit aus politischem Kalkül denn als tatsächliche transnationale Solidarität“ (14) ansieht, bleibt fraglich, inwieweit er nicht Normen für den Bereich Hilfe von vornherein als irrelevante Größe exkludiert und jedes Verhältnis vorrangig von materiellen oder machtpolitischen Interessen geprägt sieht. Etwas irritierend ist außerdem, dass dieses konzeptionelle Raster „auch eine Art Psychogramm der jeweiligen Organisationen [ist], das dem Leser ein Fenster zur mannigfaltigen Welt der humanitären Hilfe öffnen soll“ (17). Im empirischen Teil untersucht Huppertz insgesamt 16 nach der Tsunami-Katastrophe in Sri Lanka aktive Hilfsorganisationen aus Deutschland, Frankreich und Italien und ordnet sie in sein zuvor entwickeltes Analyseraster ein – demnach stehen die Welthungerhilfe, das Französische und Italienische Rote Kreuz dem Idealtypus der Integrationsstruktur nahe, dem Ideal der Autonomiestruktur folgen u. a. die Caritas Italiana und Solidarités.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.444.24.452.222.614.32.3312.68 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Cornelius Huppertz: Humanitäre Hilfsorganisationen. 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34716-humanitaere-hilfsorganisationen_41727, veröffentlicht am 16.02.2012. Buch-Nr.: 41727 Rezension drucken
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