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/ 21.06.2013
Teresa Pinheiro (Hrsg.)

Iberische Europa-Konzepte. Nation und Europa in Spanien und Portugal seit dem 19. Jahrhundert

Berlin: Duncker & Humblot 2009 (Chemnitzer Europastudien 10); 182 S.; 74,- €; ISBN 978-3-428-13110-5
„Das hier ist Orient, nicht mehr Europa.“ (7) Mit diesen Worten des deutschen Historikers Willy Andreas von 1949 charakterisiert die Herausgeberin das Erkenntnisinteresse des Buches. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines Forschungsseminars an der TU Chemnitz untersucht sie Diskurse nationaler und europäischer Identitäten in Spanien und Portugal. Das Konzept der Nation begreifen sie mit Benedict Anderson als „Ideen politischer Gemeinschaften, die in Kommunikationsprozessen geschmiedet und verbreitet werden" (16). Die Autoren decken eine Spanne zwischen dem Ausgang des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart ab. Julia Kasperczak und Tanja Olischer arbeiten das prekäre Selbstverständnis der beiden Nationen im 19. Jahrhundert heraus – zwischen vergangener kolonialer Größe und Rückstand gegenüber der europäischen Moderne. Während Katrin Kreißig das Unbehagen spanischer Intellektueller gegenüber den europäischen Revolutionen (Donoso Cortés) und die Rückbesinnung auf hispanische Werte (Ángel Ganivet) thematisiert, stellt Johannes Kunath die Visionen eines föderalen Spaniens in einem föderalen Europa (Pi y Margall) vor. In weiteren Beiträgen geht es um die Europavorstellungen in der Zeit der iberischen Diktaturen. In den abschließenden Beiträgen wird deutlich, dass frühere Europadebatten auch noch in der Zeit der EU-Mitgliedschaft der beiden Staaten relevant sind. „Obwohl die chronologische Darstellung der Übersicht halber gewählt wurde, zeigen die Beiträge dieses Bandes keine kontinuierliche Entwicklung von einer Isolation hin zur Europäisierung. Vielmehr war den Autoren und Autorinnen daran gelegen, der Heterogenität der Europa-Entwürfe in derselben Epoche und sogar im Werke desselben Autors Rechnung zu tragen.“ (16) Die Vielfalt der untersuchten Entwürfe, ihre Spannweite zwischen vergangenem kolonialen Glanz und Sehnsucht nach Teilhabe an der europäischen Moderne machen den Reiz des Unterfangens und seinen Wert auch für das europäische Selbstverständnis aus.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.612.233.15.46 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Teresa Pinheiro (Hrsg.): Iberische Europa-Konzepte. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31082-iberische-europa-konzepte_36954, veröffentlicht am 30.09.2009. Buch-Nr.: 36954 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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