/ 18.06.2013
Christian Schneider / Annette Simon / Heinz Steinert / Cordelia Stillke
Identität und Macht. Das Ende der Dissidenz
Gießen: Psychosozial-Verlag 2002 (Psyche und Gesellschaft); 257 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 3-89806-187-6Auf der Grundlage von Vaclav Havels Buch "Versuch, in der Wahrheit zu leben", 1980 erschienen, grenzen die Autoren den Dissidenzbegriff historisch und politologisch ein, um "die ihm zuzuordnende psychische Position, die er repräsentiert, zu diskutieren" (33). Die Autoren - Soziologen und Psychoanalytiker - versuchen, sich dem "Verhaltenstyp Dissidenz" (9) durch biografische Recherchen in Ost- und Westdeutschland zu nähern. Im Mittelpunkt der Interviews und Gruppendiskussionen, die auf der Grundlage der Überlegungen Havels geführt und eingeordnet werden, steht dabei die 68er-Generation. Dissidenz wird als Identitätspolitik definiert, also als ein Treueversprechen zu sich selbst, entstanden nach totalitären Erfahrungen. Voraussetzung für Dissidenz sei die Entstalinisierung und damit die Entmythologisierung des Sozialismus gewesen. Aus dem Osten sei die Botschaft von der Dissidenz als Notwehrreaktion des Lebens gegen das System nach Westen geströmt und so zur "Universalie einer systemübergreifenden Antipolitik geworden" (33). Mit dem Niedergang des Sozialismus sei auch die Dissidenz verschwunden. Die heutige Machtpolitik sei so flexibel, dass sie moralische Positionen ins Kalkül ziehe. Der Raum für dissidente Moral sei deshalb sehr eng geworden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 | 2.313 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Christian Schneider / Annette Simon / Heinz Steinert / Cordelia Stillke: Identität und Macht. Gießen: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17757-identitaet-und-macht_20474, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20474
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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