/ 11.06.2013
Heinrich Potthoff
Im Schatten der Mauer. Deutschlandpolitik 1961 bis 1990
Berlin: Propyläen Verlag 1999; 448 S.; geb., 39,90 DM; ISBN 3-549-05288-XZehn Jahre nach dem Fall der Mauer ist sie aus dem Bewußtsein der meisten Deutschen noch weiter verschwunden als sie es zumindest in der Bundesrepublik in den siebziger und achtziger Jahren ohnehin schon war. Unbestreitbar bleibt jedoch nach wie vor, daß die Deutschlandpolitik eine wesentliche Determinante der bundesdeutschen Politik und auch der Politik der DDR war. Die Gesamtdarstellung des Bonner Historikers Potthoff bietet einen sehr nützlichen und gut lesbaren Überblick über diese Zeit. Die Studie basiert auf umfangreichen Recherchen in Archiven der ehemaligen DDR, des Kanzleramtes, der Bundesregierung und aller wichtigen politischen Akteure. Immer wieder wird in dem Buch deutlich, daß die Deutschlandpolitik stets in den übergeordneten Kontext des Ost-West-Konflikts eingebunden blieb. Trotzdem herrschte seit Willy Brandt über die verschiedenen Kanzlerwechsel hinweg eine erstaunliche Kontinuität. Potthoff verhehlt aber auch nicht, daß lange Zeit Deklarationen, Wiedervereinigungsrhetorik und das Beharren auf Rechtspositionen die Deutschlandpolitik bestimmten. Die Mauer fiel sicher nicht, weil so viele zielbewußt und mit Nachdruck darauf hingearbeitet hatten. Im Gegenteil, zumindest in den beiden deutschen Gesellschaften war ein Entfremdungsprozeß unübersehbar: "Die Deutschen in Ost und West lebten sich auseinander. Es entstand eine Mauer in den Köpfen, die weiterwirkte, nachdem die reale Mauer schon gefallen war." (339) Mit den Folgen hat das vereinte Deutschland bis heute zu kämpfen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.313 | 2.343 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Heinrich Potthoff: Im Schatten der Mauer. Berlin: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10722-im-schatten-der-mauer_12676, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12676
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M. A., Politikwissenschaftler.
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