/ 21.06.2013
Helmut Müller-Enbergs
Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Teil 3: Statistiken
Berlin: Ch. Links Verlag 2008; 1.024 S.; geb., 39,90 €; ISBN 978-3-86153-441-9Phil. Diss. Chemnitz. – Als Erfüllungsgehilfen der tatsächlichen Machtträger seien die Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) „für das Funktionieren des politischen Systems und für den Machterhalt der Einheitspartei unverzichtbar“ (12) gewesen, schreibt Müller-Enbergs. Er setzt mit diesem dritten Band seine akribische Untersuchung der IM fort (siehe ZPol-Nr. 4669 und 5537) und entwirft auf der Basis von zahllosen Daten ein aufschlussreiches Bild, das im unfangreichen Anhang in den Statistiken nachzulesen ist. Im Hintergrund steht dabei stets die Frage, was diese Zahlen über den Charakter der DDR aussagen – der Autor verweist dabei auf die Weber’schen Definitionen von Staat und Herrschaft sowie auf die Totalitarismus-Definition von Arendt. Er entnimmt den Zahlen „eine starke geheimpolizeiliche Durchdringung der DDR-Gesellschaft“ (216): Das MfS führte im Jahr 1989 ungefähr 189.000 IM, sodass auf 89 DDR-Bürger zuletzt ein IM kam (mit regionalen Schwankungen). Für die Zeit von 1950 bis 1989 werden hochgerechnet insgesamt 620.000 IM ermittelt. Der typische IM war meist zwischen 25 und 40 Jahre alt und männlich (nur 17 Prozent der IM waren weiblich), oft ein sozialer Aufsteiger und selten zur Mitarbeit erpresst. Meist waren die Motive zur Kooperation nach Erkenntnis von Müller-Enbergs ideeller, gelegentlich auch materieller Natur. Dazu passt, dass die Hälfte der IM Mitglied der SED war. Über vierzig Jahre hinweg hat es zudem mindestens 12.000 Bundesbürger und West-Berliner gegeben, die als IM für die DDR tätig waren – meist in der Wissenschafts- und Technikspionage. Erst dann folgte die politische und die Militärspionage. Müller-Enbergs stellt fest, „dass die Spionage der Bewahrung des Status quo dienen sollte“ (219). Von einer Unterwanderung der Bundesrepublik sei die Geheimpolizei zahlenmäßig weit entfernt gewesen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Helmut Müller-Enbergs: Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27807-inoffizielle-mitarbeiter-des-ministeriums-fuer-staatssicherheit_32655, veröffentlicht am 23.07.2008.
Buch-Nr.: 32655
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA