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/ 11.06.2013
Fritz W. Scharpf

Interaktionsformen. Akteurzentrierter Institutionalismus in der Politikforschung. Aus dem Amerikanischen übersetzt von O. Treib

Opladen: Leske + Budrich 2000 (Uni-Taschenbücher 2136 [ISBN: 3-8252-2136-9]); 446 S.; 29,80 DM; ISBN 3-8100-2709-X
Der von Renate Mayntz und Fritz W. Scharpf in den 90er-Jahren ausgearbeitete Analyseansatz des akteurzentrierten Institutionalismus ist mittlerweile in der Policy-Forschung als eigenständiges Erklärungsmodell anerkannt. Konzeptionell verknüpft dieser etlichen Studien des Kölner Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung zugrunde gelegte Ansatz die Ebene der Interaktionen von kollektiven Akteuren mit der - sei es als Rahmung, sei es als Restriktion verstandenen - Ebene der Institutionen. Vor dem Hintergrund dieser Forschungsperspektive stellt die Publikation ein Methoden-Lehrbuch dar, das als Einführung in die analytischen Werkzeuge des akteurzentrierten Institutionalismus sehr schnell den Status eines Standardwerks erlangen sollte. Das dürfte auch für jene Leser gelten, die nicht Scharpfs Prämisse teilen, dass die spieltheoretische Sicht der Interdependenz strategischer Handlungen den "Kern des spezifischen Beitrags [bildet], den die Politikwissenschaft und die Politische Soziologie zur Policy-Forschung leisten können" (34). Theorietechnisch gesprochen behandelt das Buch - immer mit Blick auf deren Anwendbarkeit in der empirischen Forschung - Grundkonzepte der Spieltheorie, so einerseits Akteure, Handlungsorientierungen und Akteurskonstellationen (95 ff.), andererseits Interaktionsformen wie Verhandlungen, Mehrheitsentscheidungen und hierarchische Steuerung (167 ff.). Den Abschluss bildet die Modellierung des "verhandelnden Staates" zwischen zunehmender Autonomie gesellschaftlicher Gruppen und abnehmender nationalstaatlicher Souveränität (319 ff.). Das Buch, dessen zahlreiche Abbildungen spezifischer Spielkonstellationen erheblich zur Verständlichkeit dieses formalen Ansatzes beitragen, ist die deutsche Übersetzung des zuerst in den USA erschienenen und von Paul Sabatier herausgegebenen Originals "Games Real Actors Play". Inhaltsübersicht: Einleitung: Ein Beispiel; Die Bedeutung spieltheoretischen Denkens; Problemorientierte und interaktionsorientierte Policy-Forschung; Normative und positive Fragen in der Policy-Forschung; Überblick. 1. Policy-Forschung unter den Bedingungen der Komplexität: Intentionales Handeln: begrenzt rational und sozial konstruiert; Viele Variablen und wenige Fälle; Beschreiben ist nicht genug; Ansätze, Partialtheorien und modulare Erklärungen. 2. Der akteurzentrierte Institutionalismus: Institutionen, nicht Annahmen verringern die empirische Vielfalt; Der grundlegende Erklärungsansatz; Akteure; Akteurkonstellationen; Interaktionsformen; Akteurkonstellationen und Interaktionsformen. 3. Akteure: Individuen und komplexe Akteure; Handlungsorientierungen. 4. Akteurkonstellationen: Politische Probleme und die Handlungsorientierungen von Akteuren; Akteurkonstellationen; Interaktionsorientierungen; Normative Aspekte. 5. Einseitiges Handeln und wechselseitige Anpassung: Anarchische Felder und minimale Institutionen; Nicht-kooperative Spiele und das Nash-Gleichgewicht; Wechselseitige Anpassung; Negative Koordination im Rahmen minimaler Institutionen. 6. Verhandlungen: Probleme, die von Verhandlungsteilnehmern gelöst werden müssen: Das Problem der vereinbarungsgemäßen Implementation; Das Problem, eine Einigung zu erzielen; Vier Verhandlungstypen; Spot-Verträge; Distributives Bargaining in Zwangsverhandlungssystemen; Problemlösen; Positive Koordination; Die Bedeutung institutioneller Rahmenbedingungen; Verhandlungen in anarchischen Feldern und minimalen Institutionen; Netzwerke; Regime; Zwangsverhandlungssysteme. 7. Mehrheitsentscheidungen: Kollektiv verbindliche Entscheidungen; Der Legitimationsbedarf; Zwei Arten von Legitimität; Mehrheitsentscheidungen; Egoistische Mehrheiten; Deliberative Demokratie?; Antagonistische Demokratie? 8. Hierarchische Steuerung: Hierarchische Steuerung; Die Leistungsfähigkeit hierarchischer Koordination; Das Informationsproblem; Das Motivationsproblem; Politische Verantwortlichkeit; Wettbewerbsdemokratie: Das Westminster-Modell; Verhandlungsdemokratie: Das Konkordanzmodell; Kombination von Wettbewerb und Verhandlungen. 9. Formen des verhandelnden Staates: Rückblick; Der Schatten der Hierarchie; Regieren in entgrenzten Räumen. Anhang 1: Inflation und Arbeitslosigkeit in Westeuropa: Eine spieltheoretische Interpretation. Anhang 2: Fritz W. Scharpf / Matthias Mohr: Efficient Self-Coordination in Policy Networks: A Simulation Study.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.25.452.22.21 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Fritz W. Scharpf: Interaktionsformen. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12128-interaktionsformen_14480, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14480 Rezension drucken
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