/ 21.06.2013
Michael Kuhn / Doris Weidemann (Hrsg.)
Internationalisation of the Social Sciences. Asia – Latin America – Middle East – Africa – Eurasia
Bielefeld: transcript 2010 (ScienceStudies); 414 S.; kart., 36,80 €; ISBN 978-3-8376-1307-0Die Internationalisierung der Sozialwissenschaften beruht auf den Bedingungen internationaler wissenschaftlicher Infrastruktur, formellen und informellen Netzwerken oder auch Forschungsparadigmen. Mit der Unterschiedlichkeit von Letzeren hängt auch die immer erneute Diskussion von Theorien und Methoden zusammen. Die aus sechzehn verschiedenen Nationen stammenden Autoren gehen eben diesen Zusammenhängen nach. He Huang untersucht die chinesische Auseinandersetzung mit den Wissenschaften des Westens. Für eine Weiterentwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften in China benennt der Autor als zentrales Hindernis die Bürokratie des Landes. Diese verhindere eine Allgemeinbildung, wie sie die amerikanischen Lehrpläne anstreben würden. Dies resultiere auch aus der Wahrnehmung nicht-westlicher Staaten, dass diese durch den Westen akademisch kolonisiert würden. Huang führt aus, dass die Rolle chinesischer Wissenschaftler in internationalen Projekten peripher sei und sie lediglich auf die Rolle von Lieferanten exotischer Fallstudien für westliche Theorien und Ideen degradiert würden. Der Westen biete Gelder, Ideen, Methodologie und Programmatik, während von nicht-westlichen Teilnehmern erwartet würde, die Daten über ihre Länder zu sammeln, um sie in die nur scheinbar universellen Theorien des Westens zu integrieren. In dem Aufsatz drückt sich ein starkes Unbehagen am westlichen Einfluss aus. Abdel Hakim K. Al Husban und Mahmoud Na’amneh berichten über die Situation in Jordanien. Zwar habe Jordanien umfassend in das Bildungssystem investiert, jedoch sähen sich die Geistes- und Sozialwissenschaften ernsten Problemen gegenüber, die u. a. mit der Struktur der jordanischen Gesellschaft zusammenhingen. Auch hier spielt die Wahrnehmung des Westens eine zentrale Rolle, jedoch im Kontext eines Trends der Islamisierung in Jordanien: „This ideological shift in the Arab and Islamic world has led to the emergence of a trend that seeks to Islamize knowledge of all kinds, including scientific knowledge“ (206). Wissenschaftliche Erkenntnisse würden, so Husban und Na’amneh, als westlich wahrgenommen und mit imperialistischer Politik assoziiert.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.2 | 2.62 | 2.63 | 2.65 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Michael Kuhn / Doris Weidemann (Hrsg.): Internationalisation of the Social Sciences. Bielefeld: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31559-internationalisation-of-the-social-sciences_37584, veröffentlicht am 28.04.2010.
Buch-Nr.: 37584
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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