/ 21.06.2013
Anna Schober
Ironie, Montage, Verfremdung. Ästhetische Taktiken und die politische Gestalt der Demokratie
München: Wilhelm Fink Verlag 2009; 403 S.; 49,90 €; ISBN 978-3-7705-4705-0Die Autorin zeichnet die Tradition einer Avantgarde nach, durch die Mittel der Montage, Verfremdung und Ironie politisch zu wirken. Ihre Betrachtungen reichen historisch von der Moderne bis in die Postmoderne, sie beschäftigt sich mit dem Berliner Dadaismus der 20er-Jahre, dem Expanded Cinema oder den neoavantgardistischen Praktiken in den Ländern des ehemaligen Ostblocks seit 1989. Dabei setzt sich Schober von gängigen kulturwissenschaftlichen Ergebnissen, die diese Verfahren als subversiv oder transgressiv deuten, dadurch ab, dass sie diesen künstlerischen Erscheinungen eine funktionale Qualität in gesellschaftlichen Transformationsprozessen zuspricht, denn „gesellschaftliche Subversivität wird von den sie begleitenden oder retrospektiv über sie reflektierenden Analysen oft einfach festgeschrieben“ (15). Die dienende Funktion dieser Kunst, also die Frage Subversion oder Affirmation, entscheidet Schober durch ein „und“. Es geht um Teilhabe und zugleich um Distanzierung. Unter anderem setzt sich die Autorin ausführlich mit den Überlegungen Hannah Arendts zum Verhältnis von Kunst und Politik auseinander und stellt dazu fest, dass „die von Arendt thematisierte Spannung zwischen Kunst und dem Politischen […] in dieser spezifischen Tradition der künstlerisch-politischen Intervention in einer radikalisierten Form präsent“ ist. Denn Arendt bezog sich auf „gängige“ Kunstwerke, während hier die Beteiligten an dieser Tradition stets den Anspruch erheben, politisch wirken zu wollen und daher das Kunstwerk auch zu einer „Kunstaktion“ umdefinieren. In dieser Weise wenden sich die Kunstschaffenden nun dem Politischen „plakativ und emphatisch zu“ (377). Das Buch ist das Ergebnis des Forschungsprojekts „Ästhetische Kunstgriffe als Mittel politischer Emanzipation“, das von 2003 bis 2006 vom Austrian Science Fund gefördert wurde.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.22 | 2.23 | 5.42 | 2.311 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Anna Schober: Ironie, Montage, Verfremdung. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29577-ironie-montage-verfremdung_35014, veröffentlicht am 03.02.2009.
Buch-Nr.: 35014
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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