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/ 21.06.2013
Andreas Frewer / Holger Furtmayr / Kerstin Krása / Thomas Wenzel (Hrsg.)

Istanbul-Protokoll. Untersuchung und Dokumentation von Folter und Menschenrechtsverletzungen

Göttingen: V&R unipress 2009 (Medizin und Menschenrechte 2); 236 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-89971-697-9
Der Tod eines politischen Häftlings in der Türkei infolge von Folter 1993 motivierte die dortige Menschenrechtsstiftung gemeinsam mit den Physicians for Human Rights dazu, 1996 in Adana ein Symposium zum Thema „Medizin und Menschenrechte“ abzuhalten. Dort wurde beschlossen, Richtlinien zu erstellen, die der Untersuchung von Folterfällen an noch lebenden Opfern dienen sollten, woran sich rund 75 Experten beteiligten, die mehr als 40 Organisationen aus 15 Ländern vertraten. Daraus ist nach dreijähriger Arbeit das Istanbul-Protokoll entstanden, ausgeführt von Gerichtsmedizinern, Ärzten, Psychologen, Menschenrechtsbeobachtern und Rechtsanwälten. 1999 wurde es der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte übergeben und 2000 von der Generalversammlung sowie der Menschenrechtskommission angenommen. Es dient dazu, jenen Personen, die Foltervorwürfe untersuchen und Spuren von Folter dokumentieren sollen, praktische Hinweise zu geben. Es ist ein Hilfsmittel für alle mit der Untersuchung von Folterfällen betrauten Personen, ob Juristen, Psychologen, Mediziner oder Sozialarbeiter. Das Protokoll enthält „alle relevanten Grundsätze für die wirksame Untersuchung und Dokumentation von Folter und Misshandlung“ (11), so Manfred Nowak, UNO-Sonderberichterstatter über Folter. Neben dem Ziel, die für Folter Verantwortlichen strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen, kann die Dokumentation von Foltervorfällen auch bei der Begutachtung von mutmaßlichen Folteropfern im Rahmen von Asylverfahren dienen. Dies ist ein Grund für das an der Professur für Ethik in der Medizin in Erlangen-Nürnberg bestehende „Forum Medizin und Menschenrechte“, die deutsche Fassung des Istanbul-Protokolls herauszugeben. Auf diese Weise soll das „Handbuch für die wirksame Untersuchung und Dokumentation von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe“, so der offizielle Titel, das Bewusstsein von Ärzten und Juristen für die Probleme von Folteropfern schärfen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.14.424.3 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Andreas Frewer / Holger Furtmayr / Kerstin Krása / Thomas Wenzel (Hrsg.): Istanbul-Protokoll. Göttingen: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31206-istanbul-protokoll_37117, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37117 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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