/ 21.06.2013
Klaus Englert
Jacques Derrida
München: Wilhelm Fink Verlag 2009 (Uni-Taschenbücher Profile 3258 [ISBN: 978-3-8252-3258-0]); 115 S.; kart., 9,90 €; ISBN 978-3-7705-4861-3Englerts Band deckt ein breites Spektrum an Themen ab, zu denen der französische Philosoph Derrida gearbeitet hat. Zunächst arbeitet Englert heraus, wie Derrida in einer dekonstruktiven Lektüre versucht, die philosophische Geschichte der Familie von ihrem phallozentrischen Fokus zu befreien. Danach wird anhand von Derridas theoretischen und praktischen Tätigkeiten aufgezeigt, welches Idealbild einer Universität für Derrida handlungsleitend war: Er sah „[…] die Chance der Philosophie in einer philosophischen ‚Gegeninstitution’ die die Traditionen der Universität […] reflektiert und dekonstruiert“ (30). Weiterhin werden Derridas Vorstellungen zur Zukunft Europas, seine Ideen für eine Verbesserung der Gerechtigkeit in Demokratien und die Gefahren für diese Zielvorstellungen dargestellt. Sein zentraler Begriff, die Dekonstruktion, bedeutet in diesen Kontexten eine unablässige Kritik an bestehenden demokratischen Strukturen und ein Versprechen auf eine bessere Zukunft, in der mehr Gerechtigkeit verwirklicht wird. Dies versuchte er auch durch zahlreiche praktische politische Aktivitäten zu unterstützen. Primär aus Derridas Abstammung (Sohn eines Rabbiners im französisch besetzten Algerien) lassen sich seine philosophischen Arbeiten zum Thema Gastfreundschaft verstehen, die aber auch vor dem Hintergrund von Levinas‘ Bewusstseinsphilosophie gelesen werden müssen. In Bezug auf Derridas Religionsverständnis arbeitet Englert heraus, dass sowohl sein als auch Levinas‘ Interesse primär an der „[…] Religion zugrunde liegenden kommunikativen und ethischen Struktur […]“ orientiert ist (86). Ein letztes Kapitel stellt Derridas Einbindung in architektonische Entwicklungen des 20. Jahrhunderts dar. Der Band kann einen fundierten Überblick über das Schaffen von Derrida geben, besonders hervorzuheben sind die verschiedenen, drucktechnisch deutlich abgehobenen, Zitate von Derrida. Hier wird auf zentrale Textstellen verwiesen und deren Bedeutung deutlich gemacht.
Matthias Seifert (MSE)
Politikwissenschaftler, Lehrer für Gemeinschaftskunde und Englisch, Gymnasium Englisches Institut Heidelberg.
Rubrizierung: 5.46
Empfohlene Zitierweise: Matthias Seifert, Rezension zu: Klaus Englert: Jacques Derrida München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31187-jacques-derrida_37091, veröffentlicht am 18.12.2009.
Buch-Nr.: 37091
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Politikwissenschaftler, Lehrer für Gemeinschaftskunde und Englisch, Gymnasium Englisches Institut Heidelberg.
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