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/ 22.06.2013
Zentrum für Niederlande-Studien (Hrsg.)

Jahrbuch 20/2009. Themenheft: Die deutsche und niederländische Beteiligung am Einsatz in Afghanistan

Münster: Aschendorff Verlag 2011; 253 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-402-14203-5
Das Zentrum für Niederlande-Studien an der Universität Münster gab seinem Jahrbuch 2009 den Schwerpunkt „Einsatz in Afghanistan“. Darin sind – neben den für Jahrbücher üblichen Rubriken der Zentrumsberichterstattung – Aufsätze versammelt, die einer Tagung über die niederländischen und deutschen Debatten und Erfahrungen entspringen. Dabei tritt zutage, dass ein Vergleich landesspezifischer Sichtweisen neue Akzentuierungen in einem ansonsten erschöpften Thema zu setzen erlaubt. Christian Klep beleuchtet den Wandel des Verhältnisses von Militär und Politik und kommt zu dem Schluss, dass die Rückbindung effizienter Gewaltorganisation an die politischen Entscheidungen sich im Zeitalter internationaler Friedensmissionen verändern muss. Michael Paul arbeitet heraus, welche spezifisch deutschen Diskussionsstränge sich um die Transformation der Bundeswehr zu einer Einsatzarmee ranken – die dafür notwendigen politischen Debatten stehen noch aus. Beatrice de Graaf und George Dimitriu analysieren den niederländischen Einsatz in der afghanischen Provinz Uruzgan, die eine der am schärfsten umkämpften Gegenden Afghanistans war: Dass dieser Einsatz innerhalb eines Paradigmas des Aufbaus und nicht im Rahmen eines Kriegseinsatzes dargestellt wurde, schuf ein Spannungsfeld zwischen Kampf- und humanitärem Einsatz. Dies erinnert an die in der deutschen Debatte berühmte Erörterung des kriegsähnlichen Zustands und weist auf den Mangel an politisch-strategischer Kohärenz hin, der auch die niederländische politische Führung befallen hat: „Sie sorgten […] nicht für die Unterstützung und das Verständnis, die nötig sind, um […] z. B. genug Truppen mit Mandat zur Verfügung zu haben […und] komplexe Counter Insurgency-Aktivitäten zu erfüllen“ (49). Winfried Nachtwei ergänzt diesen Befund und beschreibt Deutschlands Afghanistan-Einsatz als „Auftrag ohne Bodenhaftung“ (53), dessen Mandat jeweils durch „kurzfristige Kompromisse“ (55) und mit verengtem Blick auf das Militärische verlängert wurde. Die Gefahr, dass der Einsatz als „gigantischer Rohrkrepierer“ (70) endet, scheint ihm keineswegs gebannt. Weitere Beiträge zur Stadtentwicklung, zum Umgang mit fossilen Energien, zum historischen Umgang mit den Opfern des Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit, zu den gesellschaftlichen Strukturen der Niederländischen Republik im 17. Jahrhundert, zu binationalen Familien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie zur Repräsentation von Erinnerungskultur in niederländischen Comics runden das Jahrbuch ab.
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.612.222.232.3312.352.314.214.224.414.44 Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Zentrum für Niederlande-Studien (Hrsg.): Jahrbuch 20/2009. Münster: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34088-jahrbuch-202009_40879, veröffentlicht am 15.09.2011. Buch-Nr.: 40879 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA