/ 20.06.2013
Heinz Duchhardt (Hrsg.)
Jahrbuch für Europäische Geschichte. Band 7: 2006
München: R. Oldenbourg Verlag 2006; VI, 243 S.; brosch., 44,80 €; ISBN 978-3-486-57916-1„Die Schweiz als europäisches Refugium“ lautet das Schwerpunktthema dieses Jahrbuchs. Die Herausgeber loben in ihrem Vorwort das Land dafür, das es zu einem Ort der europäischen Toleranz und gesellschaftspolitischen Vielfalt geworden sei. Ausgefüllt wird das Thema mit Fallbeispielen aus fünfhundert Jahren Geschichte, der Faden der jüngeren Vergangenheit wird mit einem Beitrag über politische Flüchtlinge aus dem Zarenreich aufgenommen. Vor allem aber in dem Beitrag über „Die Schweiz und das literarische Exil (1933 bis 1945)“ zeigt sich wenig von eidgenössischer Toleranz. Zwischen 1.500 und 2.500 Literaten seien in dieser Zeit gezwungen gewesen, Deutschland zu verlassen, schreibt Kristina Schulz, etwa 160 von ihnen emigrierten in die Schweiz. Freundlich aufgenommen worden sei aber eigentlich fast nur Thomas Mann mit seiner Familie. Ansonsten habe sich der Schweizerische Schriftstellerverband eher vor literarischen Flüchtlingen gesorgt, die zur schreibenden Konkurrenz werden könnten. Sie seien zurückzuweisen, schrieb der Verband, damit „sie den schweizerischen Markt mit ihren Erzeugnissen in keiner Weise belasten“ (83). Die (zu) späte „Diskussion um den unmenschlichen Umgang mit jüdischen Flüchtlingen“ (90) habe aber wenigstens das Terrain für die wesentlich freundlichere Aufnahme der ungarischen Flüchtlinge 1956 bereitet, schreibt Tamas Kanyo. Ihre Integration in die Schweiz rechtfertigt denn wohl auch am ehesten das eingangs erwähnte Lob der Herausgeber. Insgesamt fehlt dem Kapitel ein übergreifender Beitrag, eine historische wie politische Einordnung der Fallstudien wäre wünschenswert gewesen. In weiteren Beiträgen des Jahrbuchs werden unter anderem die österreichischen Assoziierungsbestrebungen an die EWG 1957 bis 1972 analysiert sowie die direktdemokratische Dimension der EU. Vorgestellt werden ferner das Mainzer Institut für Europäische Geschichte sowie die Entwicklung von den deutsch-sowjetischen Historikerkolloquien zum Deutschen Historischen Institut Moskau.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.1 | 2.5 | 2.23 | 2.4 | 3.2 | 4.22 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Heinz Duchhardt (Hrsg.): Jahrbuch für Europäische Geschichte. Band 7: 2006 München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25842-jahrbuch-fuer-europaeische-geschichte-band-7-2006_30003, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30003
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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