/ 18.06.2013
Christian Dürr
Jenseits der Disziplin. Eine Analyse der Machtordnung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern
Wien: Passagen Verlag 2004; 242 S.; brosch., 29,- €; ISBN 3-85165-583-4Aus vornehmlich philosophischer Perspektive analysiert der Autor, wie nationalsozialistische Konzentrationslager als wesentlicher Teil gesellschaftlicher Machtverhältnisse interpretiert werden können. Dabei bezieht er sich in theoretischer Hinsicht schwerpunktmäßig auf die Arbeiten von Michel Foucault - vor allem auf „Überwachen und Strafen“. Er stellt u. a. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den von Foucault analysierten Gefängnissen und den Konzentrationslagern dar und zeigt, wie die Machtverhältnisse innerhalb der beiden Institutionen auf strukturell unterschiedliche Art und Weise hergestellt und aufrecht erhalten wurden. Dürr analysiert, ob und inwieweit Subjektkonstitution innerhalb der Machtstrukturen einer totalitären Institution überhaupt noch möglich ist und arbeitet die Bedeutung des Erzählens für diesen Prozess heraus. Dadurch will er einen Beitrag zu einer Form der Geschichtsschreibung leisten, die den inhärenten Widerspruch zwischen subjektivem Erleben und objektiven Ereignisabläufen in eine beide umfassende Geschichtsschreibung transformiert. Zudem will er das Werk von Foucault weiterentwickeln.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.312 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Christian Dürr: Jenseits der Disziplin. Wien: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18990-jenseits-der-disziplin_22037, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22037
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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