Skip to main content
/ 22.06.2013
Shadia Husseini de Araújo

Jenseits vom "Kampf der Kulturen". Imaginative Geographien des Eigenen und des Anderen in arabischen Printmedien

Bielefeld: transcript 2011 (Postcolonial Studies); 328 S.; 33,80 €; ISBN 978-3-8376-1646-0
Geowiss. Diss. Münster; Gutachter: P. Reuber, G. Glasze. – Die Autorin widmet sich den mental maps und damit der Konstruktion geopolitischer Räume. Diese sind in ihren Bildprogrammen und Entstehungsprozessen für die westliche Perspektive seit der programmatischen Schrift Edward Saids „Orientalismus“ weitflächig erforscht und auch dekonstruiert worden. Das Bild des Westens sowie des Eigenen und des Fremden in arabischen Medien hat es indes erst in den vergangenen 20 Jahren in das Blickfeld der Wissenschaft geschafft. Die meisten hierzu erschienenen Arbeiten sind an der Repräsentation konkreter Ereignisse wie dem Irak-Krieg orientiert oder dienen dazu, lediglich einzelne Milieus auszuleuchten, beispielsweise den Islam als politisch verstandener Doktrin. Husseini de Araújo erweitert diesen Blick und betrachtet sowohl die „Weltordnungsvorstellungen und Identitätskonstruktionen“ (291) selbst als auch deren Konstruktionsmechanismen, die ihnen zugrunde liegenden gesellschaftlichen Bedingungen und ihre Auswirkungen. Die künstliche Annahme, auch in den arabischen Medien werde allein das Bild einer dichotomischen Weltordnung des Westens und des Islam tradiert, hinterfragt die Autorin kritisch und forscht nach alternativen Raumvorstellungen. Nach zwei bündigen Kapiteln zu den theoretischen und methodischen Grundlagen ihrer Arbeit analysiert sie ausgewählte transnationale arabische Printmedien im Zeitraum von 2001 bis 2006, wobei sie sich hier insbesondere den Meinungsartikeln oder auch Karikaturen zuwendet, sieht sie hier doch das höchste Potenzial an Raumdeutungen und -neuentwürfen gegeben. Anschließend gliedert sie ihren Analyseteil äußerst differenziert und mit lesefreundlichen Zwischenfaziten versehen nach einzelnen Aspekten der imaginativen Geografien. Husseini de Araújo leistet damit einen instruktiven und die eigenen Forschungsprämissen stets kritisch hinterfragenden Beitrag zur Debatte um dichotomische Orient-Okzident-Entwürfe.
Britta Voß (BVO)
M. A., Historikerin, wiss. Mitarbeiterin, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität München.
Rubrizierung: 4.432.224.414.12.632.64 Empfohlene Zitierweise: Britta Voß, Rezension zu: Shadia Husseini de Araújo: Jenseits vom "Kampf der Kulturen" Bielefeld: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34210-jenseits-vom-kampf-der-kulturen_41051, veröffentlicht am 08.09.2011. Buch-Nr.: 41051 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA