/ 24.10.2013
Mathias Bröckers
JFK. Staatsstreich in Amerika
Frankfurt a. M.: Westend Verlag 2013; 287 S.; 19,99 €; ISBN 978-3-86489-043-7Unter dem Begriff der Verschwörungstheorie lassen sich die Ermordung des US‑Präsidenten John F. Kennedy sowie die seines Bruders Robert und Martin Luther Kings nicht angemessen erklären, schreibt der Wissenschaftsjournalist Mathias Bröckers unter Hinweis auf das jüngste Buch „Conspiracy Theory in America“ des Politikwissenschaftlers Lance DeHaven‑Smith, Professor an der Universität Florida. Deshalb entlehnt er dessen Begriff der „State Crimes Against Democracy“ (243), denn genau darum habe es sich bei den drei Morden gehandelt – verübt von Teilen des Staates, von einem Netzwerk aus hochrangigen Akteuren der Regierung, der Geheimdienste und des Militärs, die auf die erprobte Hilfe der organisierten Kriminalität zurückgegriffen hätten. Bröckers entfaltet diese These in vielen aufsehenerregenden Details auf der Grundlage einer gründlichen Literaturrecherche. Berücksichtigt werden viele neuere Informationen, so aus den Akten des Assassination Records Review Board. Dieser Ausschuss wurde 1992 mit einem Gesetz des Kongresses ins Leben gerufen, er vernahm neue Zeugen und sichtete mehrere Millionen Seiten nun freigegebener Dokumente. Auf breiter Basis erzählt Bröckers zunächst im ersten Teil die lange Vorgeschichte der Ermordung John F. Kennedys. Zu verknüpfen sind dabei mehrere Entwicklungen, vor allem die der CIA und die der Mafia nach 1945, aber auch die der kubanischen Revolution und der aufziehenden Krise in Vietnam. Im zweiten Teil schließt sich die Rekonstruktion eines geplanten und des vollendeten Attentats auf Kennedy an, anschließend erörtert Bröckers die Unstimmigkeiten in der offiziellen Version, Lee Harvey Oswald habe als Einzeltäter geschossen. In diesem Buch erscheint er als gezielt von den Geheimdiensten aufgebauter Sündenbock für ein Verbrechen, mit dem rechtsgerichtete Kreise den progressiven Präsidenten beseitigten. Kennedy war gegen die Rassentrennung vorgegangen, hatte eine Invasion in Kuba verhindert, gemeinsam mit Chruschtschow den Kalten Krieg aufgetaut und dann auch noch eine Beteiligung am Krieg in Vietnam abgelehnt – damit sei er in jener hochideologischen Zeit, in der viel Geld mit dem Wettrüsten und mit Kriegen verdient wurde, vielen rechtsgerichteten Akteuren als Bedrohung ihrer Interessen erschienen. Dass die Wahrheit – das Staatsverbrechen – aber über Jahrzehnte habe unterdrückt werden können, schreibt Bröckers auch den Journalisten zu, die auf der Gehaltsliste der CIA standen – nach Recherchen des Watergate‑Enthüllers Carl Bernstein seien es noch in den 1970er‑Jahren über 400 gewesen. Mit deren Hilfe habe sich die öffentliche Meinung lange steuern lassen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.64 | 2.1 | 2.21 | 2.65 | 4.41 | 2.68 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Mathias Bröckers: JFK. Frankfurt a. M.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36337-jfk_44574, veröffentlicht am 24.10.2013.
Buch-Nr.: 44574
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA