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/ 20.06.2013
Barbara Görres Agnoli

Johannes Agnoli. Eine biografische Skizze

Hamburg: Konkret Literatur Verlag 2004; 173 S.; brosch., 14,- €; ISBN 3-89458-233-2
Der 2003 verstorbene Agnoli hatte nach eigenem Bekenntnis weder die Zeit noch sah er einen Anreiz darin, ein „großes“ Buch über die Politische Theorie und Philosophie zu schreiben - auch nicht als Ergebnis seiner langen Lehrtätigkeit als Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Seinen Ruf als einer der theoretischen Wegbereiter der Außerparlamentarischen Opposition und der Linken begründete Agnoli mit einer äußerlich eher schmalen, aber inhaltlich gewichtigen Studie: 1967 veröffentlichte er zusammen mit Peter Brückner „Die Transformation der Demokratie“ (siehe hierzu in diesem Heft in der Rubrik 5.46: Johannes Agnoli). In dieser fundamentalen Kritik der parlamentarischen Demokratie bescheinigte er diesem System unter deutlicher Bezugnahme auf die Bundesrepublik, dass der Wille nur dem Anschein nach vom Volk ausgehe, tatsächlich aber nur das Funktionieren des Kapitalismus gesichert werde. Seine Witwe Görres Agnoli hat nun die Lebensstationen ihres Mannes, der selbst keine Autobiografie schreiben wollte, notiert. Sie schildert sein familiäres Umfeld in Italien und seine jugendliche Begeisterung für den Faschismus. Agnoli, damals noch italienischer Staatsbürger, meldete sich freiwillig zur Wehrmacht, nach dem Krieg blieb er in Deutschland. Er studierte Philosophie bei Eduard Spranger in Tübingen, wurde Assistent von Theodor Eschenburg und 1962 von Ossip K. Flechtheim nach Berlin geholt. Eingefügt in diese biografischen Skizzen ist eine Selbstauskunft Agnolis, die aus seinem Nachlass stammt und auf ein Gespräch mit Studenten zurückgeht. Im Anhang finden sich der Nachruf von Wolf-Dieter Narr („Theoretisieren als Partisanenarbeit. Zum Politikum subversiven Denktums am Exempel Johannes Agnoli“ [143-157]) sowie ein Beitrag von Gerhard Lehmbruch („Demokratieforschung und Demokratieerziehung in der Nachfolge Theodor Eschenburgs“ [159-173]).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 1.35.462.32.3132.35 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Barbara Görres Agnoli: Johannes Agnoli. Hamburg: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22313-johannes-agnoli_25451, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25451 Rezension drucken
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