/ 22.06.2013
Jana Puglierin
John H. Herz. Leben und Denken zwischen Idealismus und Realismus, Deutschland und Amerika
Berlin: Duncker & Humblot 2011 (Zeitgeschichtliche Forschungen 42); 335 S.; brosch., 48,- €; ISBN 978-3-428-13356-7Diss. Bonn; Begutachtung: C. Hacke, W. Hilz. – John H. Herz, als Hans Hermann Herz 1908 in Düsseldorf geboren, gehörte zu jenen jüngeren, deutsch-jüdischen Juristen, die ausgehend von der kritischen Rezeption der Weimarer Staatslehre in der Emigration wesentliche Impulse zur Fortentwicklung der Politikwissenschaft gaben. Herz ging indes nicht nach Deutschland zurück, sondern wurde in den USA zu einem der führenden Analytiker der Internationalen Politik. Dies ist einer der Gründe, warum er in Deutschland weniger rezipiert worden ist als jene seiner Kollegen, die remigrierten oder starken Anteil an der entstehenden bundesdeutschen Politologie nahmen. Ein anderer ist, dass Herz bereits in den Weimarer Jahren dem Marxismus distanzierter gegenüberstand und weit früher als beispielsweise Franz L. Neumann oder Ernst Fraenkel antitotalitäre, liberale oder – wenn man so will – bürgerliche Positionen vertrat. In der Forschung gilt er als einer der Hauptvertreter der umstrittenen realistischen Schule der Internationalen Politik. Für seine Biografin Jana Puglierin, die bis zu seinem Tod Ende 2005 Kontakt zu ihm hielt, ist diese Kategorisierung mindestens unpräzise, wenn nicht falsch. Werkbiografisch arbeitet sie heraus, dass am Anfang seines Denkens ein liberaler Idealismus stand, der erst durch lebens- und weltgeschichtliche Erfahrungen von einer realistischen Position überlagert wurde, die indes nie vollständig seine Ausgangsfragen verdrängte. Besonders im kontrastierenden Vergleich mit Hans J. Morgenthau zeigt sich, dass Herz dem Konzept des Nationalen Interesses reserviert gegenüberstand und ihm ein Universalinteresse gegenüberstellen wollte. Sein Macht-Begriff fiel wesentlich weniger radikal aus als bei anderen Realisten. Auf breiter Quellenbasis gearbeitet, bezieht Puglierin auch Briefe aus dem Nachlass, unveröffentlichte Manuskripte und Interviews mit Herz, die sie teils selbst geführt hat, in die Untersuchung mit ein. Sie schließt mit dieser anspruchsvollen Dissertation eine Lücke der Forschung zur deutsch-jüdischen politikwissenschaftlichen Emigration.
Gideon Botsch (GB)
Dr., Dipl. Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (http://www.mmz-potsdam.de).
Rubrizierung: 1.3 | 4.1
Empfohlene Zitierweise: Gideon Botsch, Rezension zu: Jana Puglierin: John H. Herz. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34606-john-h-herz_41577, veröffentlicht am 12.04.2012.
Buch-Nr.: 41577
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Dr., Dipl. Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (http://www.mmz-potsdam.de).
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