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/ 18.06.2013
Marc-Dietrich Ohse

Jugend nach dem Mauerbau. Anpassung, Protest und Eigensinn (DDR 1961-1974)

Berlin: Ch. Links Verlag 2003 (Forschungen zur DDR-Gesellschaft); 407 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 3-86153-295-6
Diss. Phil. Göttingen. - Ohse verfolgt das Ziel, „die Sozialisation ostdeutscher Jugendlicher im Spannungsfeld von Protest und politischer Normierung in den sechziger und frühen siebziger Jahren als komplexen gesellschaftlichen Prozess, als Interaktion von Herrschenden und Beherrschten zu beschreiben, auch als Versuch zu verstehen, die dominante Überlieferung des Herrschaftsapparates zu relativieren" (23). Es geht dem Autor nicht darum, die institutionalisierte Jugendpolitik darzustellen, sondern er will die Entwicklung jugendlicher Alltagskultur in der DDR analysieren, was er am Beispiel Leipzigs in chronologischer Weise vollzieht. Im ersten Kapitel werden die Jahre 1961 bis 1963/64 behandelt: der Mauerbau, die FDJ-Aktion „Blitz kontra NATO-Sender", die Einführung der Wehrpflicht und der Jugendweihe, die Jugend in ihrer Freizeit und das Jugendkommuniqué von 1963. Kapitel zwei geht auf die Zeit von 1964 bis 1966 ein und stellt das Ende der neuen Offenheit, das Vorgehen gegen „Gammler" auf dem 11. ZK-Plenum 1965, die Bildungsreform und den Widerstand der Jugend gegen die Reglementierung ihrer Privatsphäre dar. Und im dritten Kapitel konzentriert sich Ohse auf die Jahre 1967 bis 1969. Er beschreibt die „Verinselung" der Jugendkultur und den Wandel jugendlichen Konsumverhaltens, den Beginn der 3. Hochschulreform und die Novellierung der DDR-Verfassung 1968, den Prager Frühling und die Reaktionen auf dessen Niederschlagung sowie die Sprengung der Leipziger Universitätskirche. Kapitel vier folgt nicht der chronologischen Darstellung, sondern widmet sich dem Verhältnis ostdeutscher Jugendlicher zu den Kirchen im gesamten Zeitraum. Hier geht es um die kirchliche Jugend, die sich in der Minderheit befand und den daraus resultierenden Problemen. Kapitel fünf setzt die Chronologie fort und beschäftigt sich mit den Jahren von 1970 bis 1974. Ohse analysiert die Folgen des Machtwechsels von Ulbricht zu Honecker, das Bildungswesen unter Honecker, die außenpolitische Öffnung der DDR und den gesellschaftlichen Wandel. Das Buch endet mit den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Berlin 1973 sowie dem Jugendgesetz 1974.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Marc-Dietrich Ohse: Jugend nach dem Mauerbau. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18905-jugend-nach-dem-mauerbau_21933, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21933 Rezension drucken
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