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/ 21.06.2013
Henning Ottmann (Hrsg.)

Kants Lehre von Staat und Frieden

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Staatsverständnisse 24); 167 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-4181-9
Die Autoren des Sammelbandes befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten der politischen Philosophie Kants. Dabei eint die durchaus divergenten Beiträge der Versuch, die kantische Philosophie und ihre Rezeption in übergreifende Kontexte einzubetten und von daher zu erschließen: So nutzt Höffe einen in sieben Dimensionen menschlichen Denkens und Handelns (Wissen, Moral, Recht, Erziehung, Kunst, Natur und Freiheit, Geschichte) ausdifferenzierten Begriff des Kosmopolitismus als Schlüssel zum Werk Kants, während Dierksmeier den Begriff der Liberalität zum Orientierungspunkt einer systematischen Auslegung der rechtsphilosophischen Schriften nimmt. Herb und Nawrath hingegen konzentrieren sich anhand der Geschichtsphilosophie Kants auf die Mischungsverhältnisse von profanen und sakralen Deutungsmustern – eine Frage, die (wenn auch mit anderem Fokus) durchaus eine Parallele in Nitschkes Versuch der Identifizierung von modernen und eben auch anti- bzw. prämodernen Aussagen und Anteilen in der Rechtslehre findet: Neben Aussagen zur Todesstrafe oder dem Frauenwahlrecht fasst er darunter eben auch eine kritische Haltung zum Widerstandsrecht sowie eine unzureichende Behandlung des Problems politischer Macht, die sich als inkompatibel mit der modernen Demokratietheorie erweise. Lüddecke beschäftigt sich am Beispiel Hermann Cohens mit Fragen der sozialistischen Kant-Rezeption; die Beiträge von Ottmann und Schröder nehmen dagegen auch Verweise zur gegenwärtigen Kant-Rezeption, insbesondere in der Theorie der internationalen Beziehungen auf. Während Dierksmeier mit Blick auf die Liberalität von Kants Politik- und Staatsbegriff von „eine[r] für heutige Herausforderungen geradezu maßgeschneiderte[n] Konzeption des politischen Handelns“ (42) spricht, klingt besonders bei Ottmann deutliche Skepsis gegenüber allzu eiligen Übertragungen der Begrifflichkeiten und Aussagen Kants (etwa auf die „Messung“ des demokratischen Friedens in der Friedens- und Konfliktforschung) an. Ottmann spricht im Vorwort bilanzierend von „Streiflichtern[n] der Wirkungsgeschichte“ (8), die sich im Sammelband finden ließen. Tatsächlich ist das Buch für fortgeschrittene Studierende auch als Einführung in wesentliche Forschungsdebatten zu lesen und entspricht damit dem Anspruch der Publikationsreihe, die Relevanz neuzeitlicher Ideen des Staates zu bearbeiten.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Henning Ottmann (Hrsg.): Kants Lehre von Staat und Frieden Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30836-kants-lehre-von-staat-und-frieden_36641, veröffentlicht am 11.05.2010. Buch-Nr.: 36641 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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