/ 21.06.2013
Ulrike Quadbeck
Karl Dietrich Bracher und die Anfänge der Bonner Politikwissenschaft
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Nomos Universitätsschriften: Geschichte 19); 436 S.; brosch., 69,- €; ISBN 978-3-8329-3740-9Diss. Bonn; Gutachter: T. Mayer, J. Scholtyseck. – Quadbeck trägt mit ihrer Studie dazu bei, eine Lücke der Fachgeschichtsschreibung zu schließen, indem sie eine Schlüsselfigur der frühen bundesdeutschen Politikwissenschaft biografisch und werkgeschichtlich untersucht. Sie ordnet die Planung und Gründung des Bonner Seminars für Politische Wissenschaft in die Entwicklung der Politikwissenschaft ein. Einer biografischen Skizze zu Karl Dietrich Bracher folgt eine Darstellung der Grundlagen „seiner Wissenschaft“ (124): der Wertentscheidung für eine Demokratiewissenschaft, dem Verständnis von Politikwissenschaft als Integrationswissenschaft und der Verbindung von Politik und Historie zum zeitgeschichtlichen Wissenschaftsansatz. An dieser Stelle wird in der ansonsten gründlich gearbeiteten Studie nicht ganz präzise argumentiert: Die von Fraenkel und Bracher angestrebte Fächer- und Methodenintegration meinte gerade nicht einen „interdisziplinären Ansatz“ (128); gleichzeitig bedeutete ihnen Integrationswissenschaft die bewusste Verbindung von empirisch-analytischen mit normativen Gesichtspunkten. Sodann werden Aufbau, Personal und Tätigkeit des Bonner Seminars gründlich aus den Quellen rekonstruiert, die „Herausforderungen“ (280 ff.) durch die Massenuniversität und durch „1968“ erörtert. In ihrer Schlussbetrachtung kommt die Autorin zu dem Ergebnis, die Bonner Politologie habe durchaus „Schule gemacht“ (343 f). Interessanter wäre es gewesen zu fragen, warum die drei von Quadbeck beschriebenen zentralen Forderungen an die Disziplin, die – mit anderen – auch Bracher gestellt hat, heute innerhalb des Faches eine relativ marginalisierte Stellung einnehmen. Dies lässt sich weder aus der Studentenrevolte noch aus der Massenuniversität herleiten. Ein Anhang, der u. a. die Schüler Brachers dokumentiert, ergänzt den Band. Eine etwas zu große Nähe zum Untersuchungsgegenstand mindert die Leistung der Arbeit nicht.
Gideon Botsch (GB)
Dr., Dipl. Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (http://www.mmz-potsdam.de).
Rubrizierung: 1.3 | 5.2
Empfohlene Zitierweise: Gideon Botsch, Rezension zu: Ulrike Quadbeck: Karl Dietrich Bracher und die Anfänge der Bonner Politikwissenschaft Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29797-karl-dietrich-bracher-und-die-anfaenge-der-bonner-politikwissenschaft_35297, veröffentlicht am 07.11.2008.
Buch-Nr.: 35297
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Dr., Dipl. Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (http://www.mmz-potsdam.de).
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